Blog

TÖRN 112.18 – Position 16.04.2018

Tagesbericht 16.04.2018

Törn St. Malo – Bremerhaven

Mittagsposition: 54°21,6’N 004°45,6’E

11°C, bedeckt, Wind SSW 3, Kurs 60°

Liebe Leser an euren Bildschirmen und überheizten Räumen,

An Deck: Nachdem am Vortag bereits mit Messern in den Zähnen bewaffnete Gestalten sich über die Lögel von Jager und Besantopsegel hergemacht und uns bereits die „Grünen Flügel“ beschnitten hatten, kam mir folgender Vergleich in den Sinn:

Man stelle sich einen Halbmarathon Läufer in voller Winterbekleidung am Start vor, der mit jedem Kilometer ein Kleidungsstück verliert und deshalb am Ziel völlig nackt erscheint. So etwa stelle ich mir unsere Ankunft in Bremerhaven vor, nachdem ich von weiteren Segel Amputationen in den folgenden Tagen gehört habe. J

Doch zum Tagesablauf: In der Nacht wurden wir durch dichten Nebel empfangen, der durch gelegentlichen Nieselregen bei 7°C  ergänzt wurde. Für die tiefgekühlte Nachtwache stand deshalb Kakaopulver, Zucker, ca. 8 Liter Milch sowie ein Topf in Größe eines Bierfasses in der Kombüse bereit. Interessant, wie lange es braucht, eine ca. 50 x 50 cm große Herdplatte und 2 Liter Milch zu erwärmen…

Mit höher stehender Sonne werden dann viele Kneifbändsel auf den Stagen und Wanten mit Tape abgeklebt, um anschließend von vielen engagierten Seglern weiß gepönt zu werden. Schanzkleid und Davids strahlen ebenfalls wieder in strahlendem Weiß.

Wegen der noch feuchten Farben wurde der Hinweis „nichts anzufassen“ von der 4 – 8 Wache mit Jubel begrüßt! Allerdings sind fast alle noch angeschlagenen Segel gesetzt und von einer Drohne von Bord aus dokumentiert worden. Da das laufende Gut vom Pönen weitestgehend verschont geblieben ist, wird es den folgenden Wachen sicherlich nicht langweilig.

Unter Deck: Hatte ich schon erwähnt, dass die Heizung für Messe und Kombüse mindestens seit La Coruna nicht funktioniert? Man sagt, die Getränke müssen deshalb nicht mehr gekühlt werden, es reicht die Lagerung in der Messe. Mein Tipp an die Backschaft: sie kann glaubhaft versichern, die Butter mindestens eine Stunde vor dem Essen aufgebackt zu haben, wenn sie zu fest sein sollte. Es wird behauptet, sie soll vorher im Kühlschrank streichfähiger gewesen sein. Jeder an Bord wird es ihr abnehmen. J

Dass die Stimmung an Bord trotzdem super ist, liegt sicherlich auch an der Erkenntnis, das „Die christliche Seefahrt“ schon immer etwas härter war, zumindest ist uns das Lachen noch nicht vergangen. Ich vermute auch, der Vorschlag von Käpt´n Klaus vor einigen Tagen, uns das Video der PAMIR Rund Kap Horn zu zeigen, sollte uns klar machen, wie gut wir es an Bord der Alex doch haben. Recht hat er!

Nicht unerwähnt soll der Geburtstagskuchen am Nachmittag für Eckard bleiben.

Es grüßen auf Kurs 080° und noch 90 sm vor Helgoland  Käpt´n Klaus, Manni und die gesamte Crew.