Datum: 22.08.26 – 27.08.26
Logbuch-Eintrag aus meiner subjektiven Sicht aus der 4 8 Wache
Wieder an Bord
Kiel, Samstag, 22.8.26 kurz vor 16 Uhr:
Da liegt sie, die Alex: grüner Rumpf, gelbes Rigg, grüne Segel. Und bei mir setzt sofort die Entschleunigung ein.
Die ersten Gesichter kenne ich noch von der Werft, alle anderen sind neu und trotzdem habe ich wieder das Gefühl, in einer großen Familie zu sein.
Als alle an Bord sind gibt es wie üblich eine Begrüßung durch unseren Kapitän Conrad und die Wacheinteilung. Ich bin in der 4 – 8- Wache eingeteilt und freue mich schon drauf, Sonnenauf- und Sonnenuntergang miterleben zu können, auch wenn ich noch nicht weiß, was mein Biorhythmus dazu meint, nachts um 3:30 aus dem Bett gerissen zu werden. Wir werden sehen.
Nach der obligatorischen und bei uns eher kurzen Sicherheitseinweisung heißt es um 19:30 Uhr dann auch schon „Leinen los“.
Outward bound
Viel Zeit zum Eingewöhnen bleibt denen, die zum ersten Mal an Bord sind nicht, denn wir sind direkt damit beschäftigt, Segel zu setzen und zu brassen, damit wir möglichst zügig aus dem offensichtlich relativ schmalen Korridor raus und aufs offene Meer kommen.
Kaum haben alle die ersten Tampen gerissen (das „hol weg“ kommt noch sehr spärlich) ist unsere Wache für heute auch schon wieder beendet und alle haben Zeit, sich auf der Alex ein bisschen einzugewöhnen.
Sonntag 23 8. Gegen 3:30 Uhr
Wir werden geweckt mit der Ansage das ist draußen regnet und ordentlich Wind hat. Also rein in die Regenklamotten und raus aufs Deck. Noch protestiert mein Biorhythmus nicht, der Wind ist grandios und warm und trocken eingepackt das ist mir herzlich wurscht, ob es regnet oder trocken ist. Wie in den folgenden Tagen auch meistens sind wir ordentlich beschäftigt damit, Segel zu setzen und richtig an den Wind zu stellen und nach ungefähr ein bis zwei Stunden hört auch der Regen auf.
Ich beende meine Wache am Ruder und habe so meine Probleme damit, die grüne Lady einigermaßen auf Kurs zu halten. Vielleicht liegt es an der Müdigkeit. Bin jedenfalls nach der Wache ziemlich schnell im Bett.
In der zweiten Wache ist entspanntes Segeln angesagt, immer noch mit ausreichend Wind. Ich stelle fest, dass mir Krängung sehr viel besser vekommt als die kabbeligen Nordseewellen unter Motor.
Montag, 24.8., 3:30 Uhr
Der Sternenhimmel ist Wahnsinn und dem heller werdenden Himmel zuzuschauen, ist toll. Wir sind wieder fleißig mit Segel setzen und brassen beschäftigt, die meisten noch immer darauf angewiesen, dass man uns genau sagt, an welchem Tampen wir was machen müssen. Um 8 Uhr sind 16 von 19 derzeit verfügbaren Segeln gesetzt. Ein tolles Gefühl.
Nach dem Frühstück eine Runde Schlafen und dann zum ersten Mal auf diesem Törn ins Rigg auf die Großuntermars. Danach bin ich zwar etwas durchgeschwitzt und hab weiche Knie, aber es ist wie jedes Mal grandios.
Ab 12 Uhr Backschaft. Ist eine prima Gruppe und macht ziemlich Spaß. Backschaft muss keine „Strafe“ sein…
Angesichts des massiv abnehmenden Windes birgt die 4 – 8 alle Segel und unser Kapitän beschließt, die Flaute damit zu verbringen, eine Art vorgezogenes Captains Dinner zu machen und den ab voraussichtlich morgen Nachmittag wieder auffrischenden Wind dann zum Segeln zu nutzen.
Geplant ist, das Ganze weniger aufwendig und mehr als ein nettes gemeinsames Abendessen. Diese kurzfristige Planänderung versetzt die Kombüse in Hektik und die Backschaft ins Deko-Fieber. Soll Conrad das Abendessen nennen, wie er will, die Deko hätte jedem Captaina Dinner zur Ehre gereicht. Das kommt ziemlich gut an und gibt von Kapitän und Besatzung einen donnernden Applaus. Ein schönes Gefühl.
Das Essen ist erwartungsgemäß sehr lecker, danach gibt es einen kleinen Shantychor mit Tom, unserem Steuermann am Akkordeon , viel Gesang und Partystimmung. Mir ist das zu laut und ich verziehe auf Deck.
Da ändert sich kurz drauf plötzlich die Stimmung: Ein Notruf von einem Einhandsegler mit Herzproblemen wird aufgefangen und die Alex hält sich zur Hilfe bereit. Ich bleibe auf der Brücke unter der Auflage, niemandem im Weg zu sein. Die gesamte Stammcrew wird an Deck gerufen, das Rettungsboot wird klargemacht, der Schiffsarzt hält sich bereit, alle arbeiten Hand in Hand.
Nach einiger Zeit kommt die Entwarnung: Die polnische Seenotrettung ist vor Ort und dem Segler geht’s mittlerweile besser: Er bedankt sich über Funk für unsere Einsatzbereitschaft.
Wegen Abendessen und mangels Wind sind die normalen Wachzeiten ausgesetzt, die erste reguläre Wache ist am Folgetag um 8 Uhr. So bleibe ich fast bis Mitternacht auf Deck und genieße den Sternenhimmel. Mit dem Mond von vorne sieht es aus, als würde die Alex auf einer silbernen Straße fahren.
Dienstag, 25.8., 8:00 Uhr
Lustigerweise wacht die gesamte Kammer quasi zeitgleich von selber auf, obwohl wir alle wachfrei haben. Zeit zum Frühstücken und ein bisschen klönen.
Um 10:30 gibt’s Fotosafari. Das lässt sich natürlich kaum einer entgehen. Auch die Stammcrew hat da nicht jedes Mal die Chance drauf und bis zum Wachwechsel um 12 Uhr sind alle, die Lust hatten, einmal mit dem Beiboot rund um die Alex gefahren.
Am Nachmittag setzten die 4 – 8 endlich wieder das ganze Schiff unter Segel. Für zwölf Segel brauchen wir etwa eine Stunde und 50 Minuten – kein Rekordwert, aber doch ein gutes Gefühl.
Zum Sonnenuntergang geht’s nochmal ins Rigg, diesmal mit integriertem Fotoshooting auf Augenhöhe. Zu sechst stehen wir auf der Saling und schauen der Sonne beim Untergehen zu…
Mittwoch, 26 8. gegen 1:00 Uhr
Das GPS-Signal ist weg. Technikproblem? Egal, die Stammcrew kann auch ohne.
Am Anfang der Wache ist nicht groß was zu tun. So üben wir im Licht der aufgehenden Sonne zum ersten Mal Knoten. Auch wichtig.
Dann ist nochmal Klettern angesagt, um die Fock-Gordinge vorzustecken, danach Schlaf nachholen.
Für 12 Uhr ist eine Wende geplant, natürlich all hands. Nach dem Mittagessen den Großtop geentert und bis hoch zur Saling alles geölt, was mir in die Finger kommt .
Auf einmal heißt es, „nicht diskutieren, machen“ und das ganze Deck ist voll mit Leuten, die bei einer sehr zügigen Halse mithelfen. Hat auch was.
Bei der Wachablösung erfahren wir, dass wir wohl in ein Gebiet gekommen sind, wo die russische Marine irgendwelche Übungen fährt. Eigentlich freies Gewässer, aber nachdem auf dem AIS auf einmal drei Objekte auf uns zugehalten haben, die dann aber auch ganz schnell wieder weg waren vom Schirm. hat Conrad beschlossen, ganz schnell beidrehen zu lassen.
Während unserer Wache werden wir noch von zwei Militärfliegern überflogen. Laut Aussage der Experten in unserer Gruppe keine MIGs, aber scheinbar doch irgendwas Russisches. Komisches Gefühl, wenn die Weltpolitik auf einmal sehr, sehr nah ist.
Danach besprechen wir das Mann-über-Bord-Manöver und schauen uns die ganzen Rettungsutensilien an. Um 20:00 Uhr holen wir mit der 8-12er-Wache die Wende nach und versammeln uns anschließend im Grünen Salon versammelt, um unserem Topsi die Ehre zu erweisen. Man hat das Gefühl, dass er sich freut und es hat total viel Spaß gemacht, unsere Erlebnisse in ein Lied zu packen.
Donnerstag, 27.8. 3:30 Uhr
Die letzte Woche auf diesem Törn. Der Wind hatte sich wieder verabschiedet und die meisten Segel sind schon weg.
Nach dem Bergen der letzten Reste sind wir um 7:50 Uhr fest in Gdynia und nach „rein Schiff“ und der allgemeinen Verabschiedung ist die Zeit auf der Alex leider schon wieder vorbei.
Eigentlich.
Aber bei mir hat die Infektion mit dem grünen Virus ja die Nebenwirkung, dass wann immer ich die Gelegenheit habe, ich zurück an Bord will.
Nachdem wir also alle abgemustert haben und von Bord gegangen sind – die einen, um direkt nach Hause oder weiter zu fahren, die anderen, um in den jeweiligen Unterkünften einzuchecken – treffen sich einige von uns abends am Fuß der Gangway. Zumindest ist das die Idee.
Im Endeffekt landen wir dann doch noch mal auf der Alex und da es noch Reste vom Mittagessen gibt und wir hungrig sind, lassen wir es uns natürlich nicht nehmen, die Müllmengen möglichst klein zu halten.
Und was soll ich sagen: am nächsten Tag beim open ship war ich schon wieder auf der grünen Lady. Was ein Gewusel. Zwischendurch gab es mal einen Einlass-Stop…
Nachdem ich noch mal alle herzlich gedrückt, die Teilnahme am Mittagessen abgelehnt und neue Mitglieder für unseren Stuttgarter Stammtisch gewonnen habe, gehe ich gegen 12 Uhr endgültig von Bord und freue mich schon auf die Werftzeit und den nächsten Törn in 2027.
Autor: Christine
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Loblied auf unseren Topsi
1) Der 4 – 8-er Topsi, der Jörg hier
der scheucht uns Trainees übers Schiff
er lässt an den Tampen uns reißen
Und hilft uns verstehen das Schiff
Refrain:
Topsi, Topsi,
was wären wir wohl ohne Dich , ja Dich.
Topsi, Topsi
du lässt die 4 – 8 nicht im Stich.
2) Der Jörg lässt die Rahen uns entern.
„Wahrschau Fußpferd“ schalt’s über die See.
Und will jemand gar nicht ins Rigg hoch
dann ist das für ihn voll okay.
Refrain
3) Der Jörg liebt es zu musizieren
drum hat er den Rhythmus im Blut.
verdreht er beim Glasen die Augen
dann war es wohl nicht wirklich gut.
Refrain
4) Der Jörg reitet nicht nur die Wellen,
sitzt auch auf ’nem einäugig‘ Pferd
landet dabei beinahe im Wacholder.
Sag, Jörg, war es das wirklich wert?
Refrain
5) Der Jörg spielt auch gerne mal Tarzan
und geht dabei fast über Bord
hätt‘ man nicht auf Deck ihn geborgen
dann wäre er auf ewig wohl fort.
Refrain
6) Der Jörg ist kein Mikro-Manager
das Große und Ganze im Blick
schweißt uns als 4 – 8 er zusammen.
Das macht er mit sehr viel Geschick.
Refrain
7) Der Jörg weiß sein Team gut zu leiten
gibt Order und nimmt auch feedback
Bringt sicher die Wacht durch die Weiten.
Drum sind wir so gerne an Deck.
Refrain
8) 12 Segel in unter 2 Stunden
die 4 – 8, die hat es geschafft
Und kriegen die Hände auch Wunden
Ein Haribo gibt neue Kraft.
Refrain
9) 7 – 3 – 1 hat wirklich verdient er:
sieben Meere, drei Wachen, ein Schiff.
Ein Loblied auf unseren Topsi:
Du hattest uns sehr gut im Griff.
Ein 7 – 3 – 1 auf Jörg!

