Datum: 06.09.2026
Mittagsposition: 55° 41‘ N, 012° 36‘ E
Das Wetter: Bedeckt, teils sonnig bei 18 Grad
Liebe Alex-Fans,
Wie viele Touristen, die an diesem sonnigen Sonntag in Dänemarks Hauptstadt unterwegs sind, haben auch wir nur Augen für sie, denn da liegt sie majestätisch im Hafen von Kopenhagen. Nein, die Rede ist nicht von der „Kleinen Meerjungfrau“, sondern von der grünen Lady nur wenige Meter dahinter: Die „Alexander von Humboldt II“ hat beim Kastell festgemacht. Neben der Ikone aus Bronze liegt kurzzeitig eine Bekanntheit aus Stahl und Segeltuch. Und wir – mein Vater und ich – werden mit ihr in See stechen: Soweit wir es im Vorfeld von der Deutschen Stiftung Sail-Training gehört haben zwar nicht mehr heute, sondern erst morgen früh. Aber an Bord gehen werden wir bereits heute Nachmittag. Ein gewisser Stolz schwingt schon mit, als wir uns dem grünen Schiff nähern. Schon am Vormittag dürfen wir kurz unsere Taschen an Deck stellen und meine Mutter, meine Frau und mein Sohn dürfen kurz auf das Schiff, um einen Eindruck davon zu kriegen, wo wir die kommenden sieben Tage verbringen werden. Mein erster Gedanke als absoluter Segel-Laie: Meine Güte, gibt es hier viele Leinen!
Nachdem die restliche Familie den Zug nach Hamburg bestiegen hat, gehen mein Vater und ich noch für drei Stunden durch Kopenhagen, essen eine Pizza zum Mittag, ich steige sogar noch auf den Rundetarn, den runden Aussichtsturm in der Altstadt. Als ich zum Abschied am Bahnhof gesagt hatte: „Ich bin schon ganz schön aufgeregt“, entgegnete mein Sohn Jakob: „Ich auch!“ Auf meine Frage, wieso er denn aufgeregt sei, meinte er: „Ob du das alles schaffst an Bord.“ Auch bei uns schwebt über dem Stadtbummel vom Rathausplatz zum Nyhavn die Frage: Wie wird es wohl werden an Bord, was erwartet uns, was können, was sollen wir tun und wie sind wir untergebracht?
Die letzte Frage wird als erste beantwortet: Nach dem Abgleich mit der Passagierliste legen wir direkt an der Gangway unsere Persos in eine Metallkassette, ehe wir in unsere Zweier-Kabine gebracht werden. Die ist durchaus größer als gedacht, mit einem Stockbett und sogar einem kleinen Sofa und ausreichend Schrankplatz. Sie befindet sich an Achterdeck, der Kapitän und der Schiffsarzt haben ihre Kajüten ums Eck. Nach dem Bettenbeziehen und halbwegs Zurechtfinden auf dem Schiff begrüßt uns um 17.30 Uhr Kapitän Joachim Kahl auf dem sonnenbeschienenen Hauptdeck. Er stellt sich und die Mannschaft vor und rät, sich über den wohl zu fahrenden Kurs zu freuen, egal wie er sein wird. „Es wird wohl der NOK werden, also freut euch darüber!“ Denn die vorherrschenden Westwinde machten den Weg oben rum um Skagen unmöglich. Einige Mitsegler äußern ihre leichte Enttäuschung, doch Joachim verspricht, dass wir mit der Fahrt in den Kattegat, dem Zurückfahren durch den Großen Belt und später in der Nordsee schon noch ausreichend spannende Segelerlebnisse haben werden.
Zum Abendessen gibt es Spaghetti mit Tomatensauce, gezaubert von Koch Marko und Katja in der gar nicht mal so kleinen Kombüse. Hinterher finden sich erstmals die Wachen zur Einführung und Vorstellungsrunde zusammen. Wir sind in der 8-12-Wache gelandet, wir schieben also täglich Dienst von 8 bis 12 Uhr und von 20 bis 0 Uhr. Unser Toppsmatrose oder auch Toppsi ist Enrico, nie um einen Spruch verlegen. Er stellt heraus, dass es auf dem Schiff um Gemeinschaft und das gemeinsame Erleben und Schaffen geht, nicht um Hochleistung – und dass der Ton schon mal rauer werden kann in der Seefahrtsprache, es dabei aber nie persönlich gemeint sei. Matrose Peter zeigt uns im Anschluss noch die „Feuerronde“, die vom Ausgucker abends stets nach seiner Schicht zu erledigen ist: Aufgabe dabei ist, einmal durchs Innere des Schiffs zu gehen und zu schauen, ob es irgendwo komisch riecht, kokelt, Wasser steht oder irgendetwas umgefallen ist.
Ein Abgleich mit der von Vielen mit Spannung erwarteten anderen Liste ergibt: Wir sind nicht für die Backschaft eingeteilt, heißt wir müssen nicht einen Tag lang die Tischdeck- und –Reinigungsarbeiten übernehmen. Auch gut, so können wir uns mehr aufs Segeln- lernen konzentrieren. Aber heute Abend nicht mehr: Unser erster halber Tag an Bord klingt gemütlich am Achterdeck aus.
Herzliche Grüße von Bord
Bordberichterstatter Daniel, Kapitän Joachim und die ganze Crew

