Blog

TÖRN 105.17 – Position 11.03.2017

Liebe Freunde des gepflegten Bordberichts,

bevor ich zu den Ereignissen des Tages komme, muss ich noch eine kleine Sache aufklären. Seit Tagen werde ich darauf angesprochen, was ich bei meinem letzten Bericht wohl eingeworfen hatte, um mir eine solche Story aus den Fingern zu ziehen. Natürlich habe ich immer mit einem bestimmten Nichts geantwortet. Auf Dauer lässt sich dies aber offensichtlich nicht halten, also kommt jetzt hier und heute die Auflösung: Mauby! Mauby ist ein dunkelbrauner  Sirup, der aus der Baumrinde eines Baumes, dessen lateinischer Name mir leider entfallen ist, hergestellt wird, indem man diese in Wasser zu besagtem Sirup kocht. Mauby, oder wie auch immer die leicht abweichenden Bezeichnungen auf den verschiedenen Inseln lauten, wird fast überall in der Karibik getrunken, weil es einerseits ein hervorragender Durstlöscher ist und andererseits vielfältige gesundheitsfördernde Eigenschaften besitzt. So soll es gegen Hypertonie und Diabetes ebenso gut helfen wie gegen Arthritis. Inzwischen haben wir damit auch Petras Mückenstiche, Raphaels Sonnenbrand und Claras Erkältung therapiert und Tom II durfte sich endlich mal etwas anderes als seinen weißen Binder Marke Tanz der Vampire mit LSF 130+ ins Gesicht schmieren, so dass man erahnen konnte, wie er mit etwas Bräune aussehen würde. Beflügelt von diesen ganzen Erfolgen haben Jan und Philipp damit auch gleich den Magnetkompass poliert, Jana die Pardunen gelabsalbt und die Elektriker die Spülmaschine repariert. Nur unser armer Kochsmaat Jürgen weigert sich hartnäckig etwas davon gegen seine immer wiederkehrende Seekrankheit einzunehmen. Aber auch das kriegen wir noch hin. Es sei denn, ich verrate, dass das Zeug auch potenzsteigernde Wirkung hat, dann ist der Vorrat sicher in Windeseile aufgebraucht. Halluzinogene Wirkungen sind übrigens nicht beschrieben, sie lassen sich allerdings auch nicht gänzlich ausschließen.

Nun aber zum Tagesgeschehen. Bereits vor dem allgemeinen Wecken um 7 Uhr erschienen die Ersten an Deck in Badehose und mit Handtuch über Schulter. Das Wasser im ruhigen Hafen war so klar, dass es sich einige nicht nehmen ließen noch vor dem Frühstück ein erfrischendes Bad im Hafenbecken zu nehmen. Die einheimische Security trug das Ganze mit einem Kopfschütteln und karibischer Gelassenheit. Nach einem leckeren Frühstück mit Kaiserschmarrn wurden in Windeseile die Segel ausgezeisert und die Gangway abgeschlagen, so dass wir uns pünktlich um 8:54 Uhr auf in Richtung unseres Ziels Curacao machen konnten. Allerdings führte uns unser Weg zunächst einmal nach Süden, denn wenn wir direkt Kurs auf den Zielhafen genommen hätten, wären wir bereits am Abend dort gewesen. So bleiben uns noch gut zwei Tage für Sailtraining. In der brütenden Hitze des Tages passierte nichts Spektakuläres, abgesehen von dem bzw. den Geburtstagskuchen, die am Nachmittag zu Ehren unseres Geburtstagskindes Ecki serviert wurden und nur ein einziges Prädikat verdient haben – Weltklasse! An dieser Stelle einen großen Dank an Peter und Jürgen und auch an alle, die auf der bisherigen Reise in der Küche ausgeholfen haben. Um 18:30 Uhr schließlich war All Hands an Deck angesagt, denn wir wollten uns an einer Wende probieren. Der aufmerksame Leser wird an der gerade verwendeten Formulierung bereits erkannt haben, ob das Manöver von Erfolg gekrönt war. Nun, um es abzukürzen, es wurde eine „Welse“. Inzwischen fahren wir wieder Richtung Norden vorbei an unserem letzten Liegeplatz auf Bonaire, und ich hoffe, dass der Ehrgeiz groß genug ist, das gestern abgebrochene Manöver morgen in einem neuen Anlauf zum Erfolg zu führen. Bis dahin wird hier alles seinen gewohnten Gang gehen, der Verfasser wird sich darüber hinaus noch um die Mädels in seiner Wache kümmern, deren Rufe nach seinem Zauberstab immer lauter werden. Aber dazu vielleicht mehr beim nächsten Mal.

Viele Grüße von Kapitän Wolfgang und seiner Crew sowie Berichterstatter Tom (heute noch ohne Mauby)