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Törn 34226 _ Kopenhagen, Öresund, Kattegat

Datum:                              07.09.2026

Mittagsposition:              55° 54‘ N,   012° 45‘ E

Das Wetter:                      Bedeckt, teils sonnig bei 17°, S-Wind 5

 

Liebe Alex-Fans,

Um Punkt 7 Uhr werden wir geweckt, mit Musik und der ersten frohen Kunde des Tages: „Marko hat Spiegeleier für uns gemacht!“ In der Messe frühstücken heute alle zusammen, denn die Wachen beginnen erst später am Ablegetag. Das Ablegemanöver wird noch einmal von 10 Uhr auf 11 Uhr verschoben, aber dann…. Unter Motor schippern wir aus dem langgezogenen Kopenhagener Hafen hinaus auf den Öresund. Nach dem Mittagessen (Sauerbraten mit Kartoffeln und Wurzelgemüse) werden die ersten Segel gesetzt: am Großtopp die Untermars und am Fock die Unter- und Obermars.

Während die Stammbesatzung so als sei es nichts die Wanten hochklettert und die Segel loszeisert, lernen wir Trainees die drei Ausbildungsstationen kennen: zunächst das Rigg. Das ist für viele ein Traum, dort in den Leinen zu hängen und einen vermutlich wunderbaren Blick zu haben. Für mich ist es jedoch nicht ganz so erfüllend, aber immerhin schaffe ich es bis knapp unter die erste Saling mit Enrico, der meint, Höhenangst hätte ich definitiv nicht. Aber Absturzangst – trotz unseres Sicherungsgurtes, den wir immer tragen müssen, sobald wir als Wache an Deck sind.

Ein Schiff der schwedischen Seenotrettung holt zwischendurch einen Trainee ab, der in unserer Wache war und sogar auch noch kurz mit Enrico in die Wanten gestiegen war, sich dann aber krank abmeldete. Er kann laut Aussage des Docs nicht mehr an Bord versorgt werden und muss an Land, daher das Rettungsboot, das um 16.30 längsseits geht neben das dümpelnde Schiff und den Patienten übernimmt. Zu diesem Zeitpunkt sind wir gerade durch die Meerenge zwischen Helsingör und Helsingborg gefahren und haben somit das Kattegat erreicht.

Neben dem Rigg bekommen wir noch den Ausguck und das Steuerrad erklärt. Ja, richtig: Auch die Trainees dürfen das Schiff schon steuern – am ersten Tag. Unter Anleitung von Erik, der früher für die Marine zur See fuhr, halte ich zu Beginn der Abendwache für eine knappe Stunde Kurs auf 270 Grad, gesprochen zwei sieben null, und achte auf drei Grad Steuerbord. Mein Vater hingegen besetzt den Ausguck und geht anschließend auf dem Feuergang einem verdächtigen Rauchgeruch nach, der jedoch nur von Marko stammt, der versucht hat, Florentiner herzustellen – und das um 21.15 Uhr, nimmermüde und das nach drei Mahlzeiten und dem leckeren Butterkuchen am Nachmittag.

Kurz darauf zieht ein Boot von Steuerbord-Achtern mit Kurs auf uns zu, der Steuermann berechnet, dass es uns so genau in 20 Minuten treffen würde. Er leuchtet zunächst mit einem starken Scheinwerfer in die Segel, damit uns der Skipper wahrnimmt als vorfahrtsberechtigtes Segelschiff, doch keine Reaktion erkennbar auf dem Radar. Schließlich funkt der Steuermann den Schlepper an und sagt, dass wir ein Segelschiff seien, das nicht ausweichen kann. „No worry“, ist die Antwort und der Schlepper ändert seinen Kurs und fährt achtern vorbei. Bei einem Fischerboot von Steuerbord vorn müssen wir ausweichen, doch sind nur geringe Kursänderungen nötig, um uns aus der Gefahrenzone zu bringen. Die Peilung ergibt, dass wir nicht mit dem Fischerboot zusammentreffen werden. An Bord ist es zu dieser Zeit weit nach Sonnenuntergang schon ziemlich düster, das Bordlicht wird bewusst nicht angeschaltet. „Wenn es dunkel ist, dann siehst du mehr“, sagt Erik. Und in der Tat: Die Augen, die sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, können mit dem ganz bisschen Restlicht noch ausreichend gucken, dass es zur Bewegung auf dem Schiff reicht – auch bei dichter Wolkendecke.

Da ansonsten keine großen Manöver anstehen, zieht sich die Zeit bis zum Feierabend um Mitternacht etwas, vor allem in der letzten Stunde. Frischer Westwind bläst uns um die Ohren, viele ziehen Mützen oder die Kapuzen über. „Habt ihr schon Eisbären im Ausguck gesehen?“, fragt Enrico. „Nein? Dann ist es auch noch nicht kalt!“ Die traditionell am Achterdeck stattfindende Wachablösung wird von uns sehr herbeigesehnt und selten waren Worte so verlockend wie nach vier Stunden Frösteln im Dauerwind die Antwort aufs gebrüllte „Eins zwei: Gute Wach!“, nämlich „Und wir dazu: Gute Ruh!“

Herzliche Grüße von Bord

Bordberichterstatter Daniel, Kapitän Joachim und die ganze Crew