Datum: 19.07.2026
Mittagsposition: 58° 21,1 N – 005°57,7 E
Das Wetter: sonnig mit leichter Bewölkung
Liebe Alex-Fans,
0:00 Uhr die Wachablösung, die See ist ruhig und wir stampfen mit der Alex 2 durch die Nordsee auf dem Weg zur norwegischen Küste. Vor dem Einteilen der Übernahme des Ruders und der Ausgucke fragt unser umsichtiger Toppsi Hofi, wie immer, nach unserem Wohlbefinden. Nun mitten in der Nacht nach ca. 4 Stunden Schlaf, sind wir etwas träge, doch es geht uns gut. Nur wenige aus unserer Wache plagt der Seegang. Die meisten sind gut gewappnet und harren der Dinge, die uns in dieser Nacht erwarten.
Bärbel, unsere „Steuerfrau“ lässt uns ein wenig hin- und herbrassen. Die Herausforderung, wo sind die richtigen Tampen die geholt und auf der anderen Seite gefiert werden müssen? Keine Sorge, unsere Leichti`s und Leichti-Anwärter unterstützen mit viel Geduld und Nachsicht auch die Erst-Segler auf dem Schiff.
Mit unseren „Küken“ in der Wache finden wir heraus, wie wir auf See die Himmelsrichtungen bestimmen können. Einen kleinen Anhaltspunkt gib es, die Südspitze von Norwegen auf Steuerbord. Unsere Leichti-Anwärter dürfen ihr Wissen mit uns allen teilen, was ist eine Wende und was ist eine Halse? Dank der Jahreszeit und unserem Weg in den Norden sind die Nächte nicht ganz so dunkel. Trotz Bewölkung finden wir uns bei Nacht sehr gut zurecht auf Deck. Ich darf den zweiten Ausguck übernehmen. Wie faszinierend die See bei Nacht sein kann! Am Tag zuvor sind wir bei max. Windstärke 8 mit 10,5 Knoten mit Lage gesegelt. Eine max. Neigung von 15 Grad brachte die eine oder andere Herausforderung mit sich. Wir stampften durch die Nordsee. Immer und immer wieder landet der Bug mit Wucht wieder im Meer. Die dabei aufkommende Gischt ist sensationell. Doch nicht ganz so hoch, dass sie das Deck nicht erreichen kann.
Kurz vor der nächsten Wachablösung ist der Wind abgeflaut. Wir holen alle Segel ein. Bärbel hat beschlossen mit Maschine weiter zu fahren. Damit unserer folgenden Wache nicht langweilig wird, bei Fahrt unter Maschine, lassen wir ihnen „klar Deck“ als Aufgabe zurück. Als kleine „Wiedergutmachung“ singen wir ihnen zur Ablösung ein Lied, doch laufen wir schreiend weg, bevor sie das tatsächliche Tampenchaos wahrnehmen können. Nach der Wache, das liebgewonnene Ritual, alle treffen sich in der Messe, ein kleiner Snack, ein paar Gespräche und dann wartet auf jeden von uns die Koje.
Bei Sonnenschein treffe ich den einen oder anderen der Wache um 11.00 Uhr an Deck. Noch immer fahren wir unter Maschine. Für unsere nächste Wache stehen also keine groß herausfordernden Aufgaben an. Nach dem Mittagessen, der Wachablösung, der Einteilung der Ausgucke und Ruderübernahmen, natürlich die fürsorgliche Frage unseres Toppsis – heute bei Sonnenschein, gutem Wetter, ruhiger See – geht es allen wieder gut. Wer mag, darf sich beim Klettern im Rick auf See erproben. Andere gehen auf „Tampenjagd“ an Deck, um sich bei den meisten Manövern besser zurecht zu finden. Nun mal schauen, was bei der Anzahl (es sind verdammt viele) alles hängen bleibt.
Auf dem letzten Stück in den Hafen werden wir von kleinen Motorbooten umrundet. Offensichtlich hinterlässt unsere Alex einen mächtigen Eindruck. Ab 13.20 Uhr wird das Anlegen im Hafen vorbereitet und alle verfügbaren Hände an Bord sind gefordert! 13.26 Uhr grüßt der Kapitän mit dem Typhon den Hafen in Sirevaag. Wir legen unter begeisterten Blicken der Hafenbesucher an. Ja, unser Schiff ist schon beeindruckend!!! Nicht nur von außen. Eine Woche auf der Ales 2 mit und ohne Segelbetrieb, mit starkem Wind und stampfen durch die Wellen – welch ein berührendes Erlebnis!!!
Herzliche Grüße von Bord,
Bordberichterstatter Die 0 – 4 Wache, Kapitän Tilman Hebekus und die ganze Crew

