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TÖRN 136.18 – Position 16.08.2018

Donnerstag, 16. August 2018

Rumpel, knirsch, ratter… Es ist 5.30 Uhr und wir lichten den Anker. Beim Blick aus dem Bullauge lässt sich noch nicht entscheiden, wie das Wetter heute wird, aber spätestens um 8.00 Uhr zum Wachwechsel steht fest: „Vor uns liegt ein wunderschöner Tag auf See.“ – Der letzte „richtige“.

Da ich heute nochmal Backschaft habe, bekomme ich leider unter Deck nicht allzu viel davon mit – nur, dass uns auf Backbord die irische Küste begleitet, auf Steuerbord die Irische See, an beiden Seiten immer mal wieder Delfine, Basstölpel und Möwen, und dass das Schiff gut im Wasser liegt: Wir haben zwar deutlich Lage, aber das Schiff stampft kaum.

Was macht man als Backschafter so den ganzen Tag? Zum Frühstück, Mittagessen, Kaffeetrinken und Abendessen für die hungrigen Mitsegler aufbakken (hat nichts mit Brötchen zu tun) und servieren, weil das eindeutig schneller geht, als wenn in der Messe jeder selbst durch die Gegend stolpert, um sich sein Essen zu holen. Also stehen wir wachsam wie die Oberkellner da, immer bereit, auf den Ruf „Backschaft!“ zu reagieren und bei Schräglage Suppenterrinen oder sonstiges durch die Messe zu balancieren. Tische abräumen und abwischen und immer wieder Besuche in der Saunalandschaft von Pantryman Noel, dem routinierten Meister an der Spülmaschine.

So bakken, servieren und spülen wir uns durch den Tag. Als Zusatzaufgabe steht donnerstags das Säubern der Bakken (kein Name eines großen schwedischen Möbelhauses sondern schlicht und einfach Sitzbänke mit Stauraum) auf der Steuerbordseide an. Im Verlaufe einer Woche putzt, fegt, wischt und staubsaugen sich die Backschaften auf diese Weise einmal durch das ganze Schiff… na ja… zumindest durch die öffentlichen Bereiche.

Oben auf Deck werden derweil das Messing auf Hochglanz poliert und Roststellen bearbeitet. Mit so einem Schiff ist es wie mit dem Kölner Dom: Es gibt immer irgendwo etwas zu renovieren, reparieren oder einfach nur in Schuss zu halten. Langeweile hat keine Chance.

Abends um 20.00 Uhr sind wir mit unserem Backschaftsdienst durch und ich genieße die wachfreie Zeit, während sich die Freiwachen – diejenigen, die gerade nicht zum Wachdienst eingeteilt sind – in der Messe backblechweise über Cheese Nachos hermachen.

An Steuerbord kommt der Leuchtturm von Wicklow Head in Sicht… aber da bin ich fast schon im Land der Träume angekommen. So bekomme ich auch nicht mehr das allabendliche Fazit bei der Wachablösung um Mitternacht mit: „Hinter uns liegt ein wunderschöner Tag auf See. Verfang Roer un Utkiek. Wech de Wacht!“