Blog

TÖRN 136.18 – Position 15.08.2018

Mittwoch, 15. August 2018

Freundlicher Wind der Stärke 4-5 aus Südwest – was wollen wir mehr? Trotzdem haben wir gestern Abend mit der 8-12-Wache noch einige Segel eingeholt, um die „Alex II“ auf 5 Knoten zu drosseln – anderenfalls wären wir zu früh in der Irischen See, und müssten hin und her kreuzen, was aber wegen des hohen Verkehrsaufkommens nicht geht. Oder wir könnten an Dublin vorbeisegeln weiter nach Norden, müssten dann aber gegen den Wind und unter Motor Dublin auf Südkurs wieder ansteuern. Auch nicht schön. Also heißt es für unsere Wache: Tempo raus und Segel runter. Und nebenbei lernen wir, dass es beim Segeln nicht darauf ankommt, möglichst schnell zu sein, sondern das Schiff so zu trimmen, dass man das Wunschtempo halten kann.

Zur Wachablösung um Mitternacht stellt Steuermann Ralf routiniert fest, dass „ein wunderschöner Tag auf See“ hinter uns liegt. Statt mit „Eins, zwei: Gute Wacht“ begrüßt uns die abziehende Wache mit dem Lied „Viel Glück und viel Segen auf all Deinen Wegen“ – Trainee Angelika hat heute Geburtstag.

Kurzer Rückblick auf die letzten Tage: Wir hatten ruhige See, auch mal Flaute, wir hatten Gegenwind, wir hatten Windstärke 6, in Böen 7, Sonnenschein, Nieselregen, Schauer, Nebel, wurden begleitet von Möwen, Basstölpeln und Delfinen und sogar einem Wal – alles zusammengefasst unter dem Prädikat „ein wunderschöner Tag auf See“. Gefragt, ab wann es bei ihm denn hieße, dass ein „besch****ner Tag auf See vor oder hinter uns liegt“, orakelt Ralf: „Das wollt ihr nicht erleben.“

Heute Morgen umflattert dann deutlich mehr Grün die Topps als wir gestern zurückgelassen haben. Die 0-4- oder die 4-8-Wache fand unsere Idee anscheinend nicht so toll und hat „Zeug gesetzt“. Erstmal segeln wir weiter auf die irische Südküste zu, Kurs 3-0-0, in Worten: drei – null – null.

Während der Wache wird erstmal geknotet, was das Zeug hält: Achtknoten, Webeleinenstek, Palstek, Schotstek und sicherlich auch so allerhand Phantasiegebilde. Erst in Ruhe und mit Anleitung, dann gegen die Stoppuhr. Es gilt, den Rekord von 17 Sekunden aus einer der anderen Wachen zu brechen… was Katrin mit 16 Sekunden gelingt und ihr ein 7-3-1 einbringt. Für alle, die neue Herausforderungen suchen, werden „Schikanen“ eingebaut: Knoten einhändig oder hinter dem Rücken.

Gegen 11.00 Uhr fahren wir, tatkräftig von der 0-4-Wache unterstützt, eine Halse. Zwei Stunden später revanchieren wir uns und helfen der 0-4-Wache bei der zweiten Halse. Zwischen 15.00 und 16.00 Uhr gehen wir unter Segel bei schönstem irischem Landregen vor Dunmore, Waterford an der irischen Südküste vor Anker. Vorgestern Abend beim Captain’s Dinner haben wir es noch besungen – jetzt sind wir fast da: May the journey on this green lady lead you tot he golden shores.

Ein Teil der Mannschaft lässt sich nachmittags in die kleineren und größeren Geheimnisse der Maschine einweisen, zwischendurch gibt es Geburtstagstorte und Kuchen.

Zum Abend hin hat sich der Nieselregen verkrochen und wir genießen bis morgen früh wachfreie Zeit: Je zwei Leute haben stundenweise Ankerwache, der Rest holt Schlaf nach, deckt sich im „Dorfgemeinschaftsraum“ mit Alex-Souvenirs ein oder sitzt in Messe und Rotem Salon und spinnt sich gegenseitig Seemannsgarn vor. Meterweise.

„Morgen ist Donnerstag, und Freitag ist die Reise zu Ende“, höre ich gerade aus dem Roten Salon. Das trifft es. Neun Tage auf See und ein Tag Landgang liegen hinter uns; es geht auf die Zielgerade. Es ist erstaunlich, wie schnell man – abgesehen vom Rhythmus der Wachen – das Zeitgefühl verliert und nachrechnen muss: Wann waren wir nochmal vor Dover… vor Cherbourg? Wann war nochmal diese stürmische Nacht?

In der Messe hängt schon seit zwei, drei Tagen ein Plan, in dem jeder einträgt, ob er weiter auf dem Schiff bleibt in Richtung Edinburgh oder wann er nach der Ankunft in Dublin das Schiff verlässt. Untrügliches Zeiten dafür, dass ein „wunderschöner Törn auf See“ zu Ende geht… und ich glaube, es wird nicht der letzte gewesen sein.