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TÖRN 136.18 – Position 05.08. + 06.08.2018

Sonntag, 5. August 201

Im Verlauf des Nachmittags sind nach und nach alle Trainees eingetrudelt, um zusammen mit der Stammbesatzung die „Alex II“ von Harlingen nach Dublin zu segeln. Etliche haben schon einige Seemeilen hinter sich gebracht, andere stehen zum ersten Mal auf den Planken eines Großseglers – und davon liegen in Harlingen an diesem heißen Augustwochenende angesichts des Tall Ships Race 2018 etliche am Kai: direkt vor uns das russische Vollschiff „Mir“ aus St. Petersburg; und die indische Bark „Taranini“ – „die über die Wogen gleitet“ – dürfte den weitesten Weg hierher gehabt haben.

Vor dem Abendessen erfahren wir nicht nur, welcher der drei Wachen wir zugeteilt sind, sondern auch die Antwort auf die Frage: Auf welchem Kurs segeln wir nach Dublin? Nördlich um Schottland herum oder südlich durch den Ärmelkanal? Soviel können wir hier und jetzt schon mal verraten: Es geht durch den Ärmelkanal.

Wer von den Neulingen will, kann abends auf dem Riesenrad direkt an unserem Liegeplatz schon mal ein Gefühl für die Höhenluft im Rigg bekommen.

 

Montag, 6. August 2018

„Wahrschau“ ist keine Stadt in Polen und „aufbacken“ hat nichts mit Brötchen zu tun…

Heute Morgen heißt es erstmal „Proviant bunkern“. Während die Fourage mit dem Kran in die Proviantlast hinunterschwebt, wird der „Flüssigbrennstoff“ in langer Kette von Hand zu Hand vom Oberdeck in die Getränkelast verfrachtet. Auf diese Weise gehen 1440 Flaschen Bier, 480 Dosen Sprite und 1032 Flaschen Wasser durch unsere Hände – und der Getränkewart passt auf wie ein Schießhund, dass alles am Bestimmungsort ankommt.

Danach bekommen wir Trainees wachweise eine Einführung in die Sicherheit an Bord, während die Backschaft damit beschäftigt ist, die Spuren des Frühstücks zu beseitigen und die Laufgänge unter Deck zu wienern. So kommt es, dass der erste „grüne Lappen“, den ich zu bedienen habe, kein Segel sondern ganz bescheiden und profan ein Putzlappen ist. 😊

11 Uhr: ein – glücklicherweise angekündigter – Generalalarm. Unter den Blicken einer neugierigen Menschenmenge am Kai proben wir das korrekte Anlegen der Schwimmwesten (praktisch) und die richtige Haltung beim Sprung von Bord (theoretisch). Mit der Flut laufen wir gegen 14.30 Uhr aus dem Hafen aus, begleitet von der deutschen Nationalhymne. Das sorgt bei manchen trotz des heißen Wetters für Gänsehaut. Die unteren Stagsegel und bede Untermarsen werden gesetzt, aber die See ist so ruhig und der Wind, besser gesagt das Lüftchen, kommt von vorn, sodass wir nach Passieren der Menschentrauben an Land die Marssegel wegnehmen und unter Motor an den Westfriesischen Inseln vorbei hinaus in die Nordsee fahren. Langsam verschwinden Harlingen und die Armada holländischer Plattbodenschiffe hinter uns am Horizont. Der erste Tag auf See geht seinem Ende entgegen.

Und wie war das jetzt mit „Wahrschau“ und „aufbacken“? Übersetzt ins Landrattendeutsch heißt das eine „Achtung, Vorsicht“ und das andere schlicht „Tisch decken“.

 Ricarda Menne