Datum: 07.10.2026
Mittagsposition: 47° 12,2‘ N; 007° 50,3‘ W
Das Wetter: N 7, Böen bis 40 kn, 16° Luft, 16° Wasser, 1013-1027 hPa
Titel/Überschrift: Ab in die Biskaya: Der Wind nimmt zu
Liebe Alex-Fans,
in Portsmouth starteten wir am 3.10.unsere Reise und fuhren für zwei Tage noch unter Motor. Mit Einbruch der Nacht begann auch der Wachbetrieb. Dabei kommen erfahrene Stammbesatzungsmitglieder mit Trainees ganz unterschiedlicher Erfahrungen zusammen. Es wird gemeinsam gelernt und gelacht. Kam es am ersten Tag zum Teil erst zu ersten Berührungen mit dem Rigg und den Tampen, konnten jetzt die Aufgaben des Rudergängers und des Ausgucks übernommen werden. Spätestens die ersten Delfinschulen in der Nacht – und es sollten wirklich nicht die letzten werden – ließen die letzten Sorgen um Seekrankheit verfliegen.
Das erste Ziel war ein Ankerstopp vor St. Mary der Scilly Islands. Nach dem Frühstück am Morgen des 5.10. kommen wir am Ankerpunkt an. Bootsmann Fritz konnte dabei beobachtet werden, wie der Anker fallen gelassen wurde, bevor wir mit Booten zu St. Mary getendert wurden. Unverhofft, aber ganz begeistert erkundeten wir die sonst so weit entfernte Insel.
Nach einer Nacht vor Anker wurden wir am 6.10. Richtung hohe See gelotst. Kaum verließ der Lotse das Boot, probte die Besatzung der Alexander von Humboldt II für den Fall eines Feuers an Bord. Bis wir schließlich den bedeuteten Bishop Rock Lighthouse passierten, der die Ausfahrt aus dem Ärmelkanal markierte. Dies bedeutete auch, dass die ersten Segel, dieses Mal nicht nur zur Übung, gehisst werden konnten.
Nach dem Abendbrot überließ unser Kapitän Ben unser weiteres Glück nicht dem Zufall. Er lud uns zum „Besanschot an“ zur Befriedigung des Gottes des Meeres ein. Manche würden ihn Rasmus, andere Neptun oder auch Poseidon nennen. Die Ehrfurcht vor den Naturgewalten und der Schluck für das Meer schien unserem Segelglück zu helfen:
Mit dem Erwachen am 7.10. platschte es an den Bullaugen der Kammern. Aus den Kojen konnten die sogenannten Waschmaschinen beobachtet werden, bei denen die Bullaugen mit dem Nass des Meeres bedeckt werden. Genauer hingesehen eröffnete sich das Bild von Wellen zwischen zwei und vier Metern und wir erlebten Windstärken zwischen sieben und acht.
Gut gesichert mit unseren Gurten konnte die Neigung des Schiffes an Deck besser als beim Mittagessen gemeistert werden. Denn das Schwanken brachte nicht nur das Schiff, sondern auch unsere Suppen zum Rollen. Auch diese kulinarische Herausforderung sollte sich aber mit der „Leegabel“ und unserem Teamgeist lösen lassen.
Die stehenden Wachen konnten bei perfektem Segelwetter immer mehr Seemeilen zurücklegen und so stieg der Ehrgeiz, die abziehende Wache zu überbieten. Ungeschlagen blieben die Steuerfrau Julia und Toppsmatrose Till mit 42 Seemeilen. Insgesamt blickt die Besatzung der Alexander von Humboldt auf einen Tag zurück, an dem wir bei bis zu zwölf Knoten 200 Meilen zurücklegten.
Herzliche Grüße von Bord,
Bordberichterstatterin Annika und Paula, Kapitän Ben und die ganze Crew

