Datum: 27.09.2026
Mittagsposition: 53° 03,8‘ N 003° 04,7‘ E
Das Wetter: tagsüber mild und sonnig, zum Abend hin regnerisch
Liebe Alex-Fans,
nachfolgend lest ihr einen exemplarischen Tagesablauf eines Trainees an Bord:
0330 „Es ist 03 Uhr 30, draußen sind es 16 °C, es ist trocken und es weht ein leichter Wind.“ Die ersten Worte dringen durch den Schlaf an das Bewusstsein. Aufrappeln, anziehen, alles zusammenpacken, in die Messe gehen und einen Kaffee mit den anderen Mitgliedern der Wache trinken
0400 „Und wir dazu“ – „Gute Ruh!“ Damit wurde die abziehende Wache ins Bett geschickt, und wir sind dran. Der Ausguck und der Rudergänger werden abgelöst, und der Rest der Wache setzt sich in den achterlichen Bereich des Poopdecks, um darauf zu warten, was es zu tun gibt.
0530 Die Dunkelheit der Nacht weicht dem Morgengrauen.
0600 „An die Voruntermars! An die Schoten, klar bei Geitau und Gordingen!“ Endlich heißt es Segel setzen. Beginnend mit der Voruntermars setzen wir Segel.
0700 Inzwischen fahren wir ohne Maschinenunterstützung mit gesetzten Marssegeln und der Fock, dem Vorstenge-, dem Großstenge- und dem Besanstagsegel. Es heißt „Klar Deck überall!“
0715 Nachdem wir den Auftrag an die Wache seit dem Aufbruch in BREMERHAVEN vor uns hergeschoben haben, schrubben wir das Deck, um das Salz abzuspülen.
0800 Nach Beendigung der Wache geht es zum gemeinsamen Frühstück in die Messe und anschießend nochmal ins Bett.
1100 Der Wecker an Bord der ALEX funktioniert einwandfrei – einfach an die Tafel in der Messe schreiben, und jemand wird zum Wecken kommen. Man braucht an Bord einfach kein Handy!
1130 Mittagessen – die Kombüse hat Königsberger Klopse mit Salzkartoffeln gezaubert. Und zum Nachtisch gibt es Eis.
1220 Gesättigt und wachfrei geht es weiter. Auf dem Sonnendeck im bequemen Liegestuhl mit einem Buch zur Hand das herrliche Wetter genießen – nur statt Sonnendeck und Liegestuhl auf der Back und auf Fendern und Rettungsinseln.
1300 Der Müßiggang hält mich nicht mehr, der Bootsmann hat aber Aufträge. Deswegen nehme ich mir mein Gurtzeug, einen Eimer, Leinöl und Lappen und mache mich daran die Führungsbretter der Wanten zu ölen, damit diese Sonne und Seewasser weiterhin widerstehen. Kaum ist das geschafft, spielt sich am Besan ein besonderes Schauspiel ab: Das Besantoppsegel wird gesetzt. Selbst erfahrene Crewmitglieder sehen das erstmalig in der Praxis.
1430 Mit einer Semmel in der Hand überrascht es mich in der Messe – Generalalarm! Wie in der Einweisung gelernt: Auf Kammer die Rettungsweste holen, noch etwas Wärmeres als das Shirt am Leib mitnehmen und auf dem Hauptdeck einfinden. Vollzähligkeit. Über die Lautsprecher die Ansage: „Brand in der Deckswerkstatt!“ Die Brandbekämpfung verläuft nicht erfolgreich und wir müssen die ALEX verlassen.
Na gut: Die Übung war seit dem Vorabend angekündigt, es hat nichts gebrannt und wir mussten die ALEX auch nicht verlassen.
1600 Wieder Wache, der Wind dreht, und so müssen wir nach und nach Segel bergen, da unser Ziel genau dort liegt, woher der Wind weht.
1715 Die Segel sind soweit geborgen, und wir fahren weiter unter Maschine. Um dem Drang nachzugeben und unsere Segel zu schonen, steigen Teile der Wache ins Rigg und zeisern die Segel wieder an den Rahen fest.
1810 Beim Abendessen geht es darum, wie sich das Wetter wohl weiter entwickeln würde. Schon den ganzen Tag hindurch konnte man die Entwicklung der Wolken beobachten: Eine Warmfront zieht auf uns zu und verheißt Regen.
1845 Wieder mit der Wache an Deck beginnt es zu regnen. Wir verlassen den Bereich hinter dem Kartenhaus und suchen Schutz unter der Back. Hier heißt es zum Zeitvertreib: Knotenkunde.
2000 „Klar bei Wachgetränk“ – nach der Ablösung geht es zum gemeinsamen Getränk in die Messe, und die Wache wird nachbesprochen.
2045 Meine persönliche Go-Time, um morgen wieder fit zu sein. Teile der Wache sitzen noch zusammen und unterhalten sich.
Herzliche Grüße von Bord
Bordberichterstatter Lucas, Kapitän Uwe und die ganze Crew

