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Törn 35026 – Klabautermänner zur Geisterstunde

Datum:                                Freitag, der 25. September 2026

Mittagsposition:              54° 42‘ 429 N / 007° 02‘ 002 E

Das Wetter:                      Sonnig, leicht bewölkt bei 3-4 Bft. zw. NW und SW

Liebe Alex-Fans,

man kennt das: Vor Schichtbeginn gilt es, die Motivation hochzufahren – da verfolgt jeder seine ganz eigene Strategie. Die einen weinen sich geruhsam aus dem Schlaf, die anderen üben sich in flüchtigen Stoßgebeten an Poseidon. Wieder andere suchen vergebens im Spiegel nach untrüglichen Anzeichen der Seekrankheit, während sich so mancher noch kurz vor Mitternacht für ein kaltes Stück Kassler zwanglos begeistern kann. Wir rotten uns auf den Gängen zusammen, wunde Augenpaare versammeln sich in der Messe – Zuversicht sieht anders aus. Dennoch eint Wache 0-4 der unbedingte Wille Großartiges zu leisten. Wach auf, Wach auf – der Steiger kommt. Kurz vor Mitternacht öffnet sich der Kohleflöz, die rote Laterne weist uns den Weg. Wie Captain Ahab durchschreiten wir die Pforte ins Ungewisse, fest entschlossen, den Wal zu erlegen – noch heute Nacht soll es geschehen!

Und dann das: Totenstille – Nichts. Mondlicht flutet das Deck, Wellen wiegen die Tampen. Anmutig reckt sich das Groß gen Dunkelheit, der Bug durchschneidet die Gischt, Segel straff gehalten im Wind. Alex 2 – Göttin der Finsternis. Jede andere Wache würde nun vor Ehrfurcht erstarren – nicht so 0-4. Mit Schichtwechsel werden Ausguck und Ruder routiniert durchgetaktet und performant besetzt. Toppsmatrose Olaf versammelt die Wache hinter sich – das Kollektiv macht sich die Nacht zu eigen. Rahen werden gebrasst, Fallen durchgesetzt, Lose rausgeholt: Gerade bei abnehmendem Wind sichert der gekonnte Trimm die stete Fahrt durchs Wasser. Bei Manöverkritik auf der Back ergehen wir uns in Szenarien spontaner Verpuffung von Schantalle, der Kläranlage: Sollte es für diesen Fall Entlastungskanäle geben, wird sich der Strom “Abgeklungener Sedimentation“ in die Gemächer der Wache 8-12 ergießen. Denn eines ist sicher: Die Göttin ist gerecht.

Eigentlich lebt es sich hier an Bord wie auf Urlaub in Griechenland: Zum Frühstück erstmal was Warmes in die Kiemen. Zur Mittagsstunde wird Wache 0-4 bei lecker Labskaus an Rollmops Teil des geschäftigen Treibens an Bord. Vor- wie Großsegel wurden bis zur Bram gesetzt, das Großstengestag angeschlagen und bemust. Zur Kursänderung von Back- auf Steuerbord sind die Rahen gebrasst und im Topp gedumpt. Während die Spülmaschine ihren Dienst zu versagen droht, hält die Backschaft eisern Stellung und besingt Smut Claudia und ihren fulminanten Geburtstagskuchen aus vollen Kehlen. Die Schlappskiste birgt allerlei Merch für Trainees wie Routinees. Die Tage werden merklich kürzer, die Wahrnehmung verschwimmt. Bei Freibier in der Messe scheint am Ende nur eines gewiss: Der Steiger wird kommen – Wacht auf!

Herzliche Grüße von Bord,

Bordberichterstatter Martin Mense, Kapitän Uwe Timm und die ganze Crew