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33622 – 16.09.2022 – Stürmischer Auftakt

Törn:                                    33622

Datum:                                16.09.2022

Mittagsposition:              irgendwo bei Helgoland

Das Wetter:                      Stürmisch, Windstärke 7 – 8, signifikante Wellenhöhe 3-5 m

Titel/Überschrift:            Stürmischer Auftakt

Die grüne Lady ist wieder auf großer Fahrt! Von Bremerhaven aus ist das Ziel die schottische Ostküste, alle hoffen auf einen Zwischenstopp auf den Orkney’s, und dann soll es via Helgoland wieder zurück nach Bremerhaven gehen – das ist zumindest der Plan. Am Donnerstagvormittag erreichen wir als Teil der neuen Crew den Liegeplatz in Bremerhaven, es herrscht geschäftiges Treiben, es liegt die gespannte Erwartung auf ein neues Abenteuer in der Luft. Stammcrew und Trainees sind emsig damit beschäftigt, den Inhalt der Taschen mit allem Hab und Gut in die eher übersichtlichen Schränke umzufüllen oder noch kurz eine „Kleinigkeit“ aus dem Supermarkt zu holen – was dann bei Henning in einer großen (!) Einkaufstüte voller Süßigkeiten endet für dessen Einkauf sich der Supermarkt mit einem großen ‚Danke‘ auf der Tüte bedankt.

Kurz drauf tönt bereits „Wahrschau glasen!“ aus der Messe und es ist Zeit für das Mittagessen. Um Viertel nach Eins folgt die offizielle Begrüßung aller auf dem Hauptdeck durch unseren Kapitän Wolfgang, der – zur allgemeinen Überraschung – ankündigt, dass wir nicht erst am Freitag, sondern bereits am Nachmittag um 17:30 h auslaufen, da wir noch zum „bunkern“ (sprich: Kraftstoff tanken) nach Esbjerg müssen. Somit wird die Wacheinteilung und die anschließende Sicherheitseinweisung etwas stürmisch, aber Stammcrew und die Wiederholungstäter-Trainees helfen den ganz Neuen sich schnell zurecht zu finden und schon entsteht der erste Zusammenhalt in der neuen Wache. Für den Schreibenden ist das die „4-8-Wache“, deren Zuständigkeit auch das Einholen der Gangway beinhaltet. Mit vereinten Kräften wird auch dieses Puzzle gelöst. Kurz drauf heißt es „Leinen los“ und es geht nach einem Präzisionstörn im Hafen – achtern an der Kaimauer vorbei, vorn dann doch noch Platz gelassen für das gegenüberliegende „Schulschiff Deutschland“ – durch die Klappbrücke und durch die Schleuse Richtung Nordsee.

Die Nordsee erwartet uns mit recht stürmischem Wetter. Mit Windstärke 6-7 fängt es doch gleich an recht ordentlich zu schaukeln, doch geht es unter Motor dennoch voran durch die erste Nacht auf See. Das Schiff stampft mit Wind von vorn durch die Wellen, was dazu führt, dass man sowohl im Bug als auch im Heck ganz ordentlich „Aufzug fährt“ – sprich, es wird ziemlich vielen der Crew ziemlich schlecht. Die Kombüse stellt eine spezielle Seekrank-Teemischung aus Pfefferminze, Ingwer und Zitrone bereit, was ein wenig hilft, aber viele suchen doch auch den Doc auf, der mit den Mitteln der Pharma-Industrie Erleichterung verschaffen kann. Als die 4-8 Wache sich am Freitagmorgen auf dem Achterdeck sammelt befindet sich Helgoland quer ab an Steuerbordseite – und bleibt da komischerweise die ganze Wache über. Unser Steuermann Roman klärt auf, dass wir grad mal 2 Knoten Fahrt über Grund machen, man also locker nebenherlaufen könnte – wenn man denn über Wasser gehen könnte. Der Wind bläst so stark, dass es einfach nicht schneller geht. Die Ankunft in Esbjerg wird denn auch um einen Tag nach hinten verlegt, alles dem starken Wind verschuldet. Einige von uns – einschließlich dem Schreibenden – sorgen dann noch dafür, dass die Fische rund um Helgoland auch genügend zu essen haben.

Zu Mittag vermeldet der Kapitän, dass wir noch weniger Fahrt machen, und sogar Fahrt über den Achtersteven machen – sprich, trotz allen Bemühungen ging die Fahrt rückwärts. Das Wetter wird auch nicht besser, Windstärke 8 in Böen 9 und eine signifikante Wellenhöhe von 5-6 Metern. Letzteres heißt dann, dass zwei Drittel der Wellen bis 5 Meter hoch sind, ein Drittel ist dann aber auch höher …

Somit wurde entschieden, in die andere Richtung zu fahren und Schutz vor dem Sturm in der Wesermündung zu suchen. Damit können wir dann sogar SEGELN! Dafür sind wir alle hier an Bord! Die 0-4 Wache darf Vorstengestag und Großstengestag Segel setzen. Die aufziehende 4-8 Wache kommt mit grünem Himmel an Deck, das Schiff schwankt dank der Stengestagsegel deutlich weniger, und die Alex-2 machte gute Fahrt Richtung Wesermündung. Aber dann doch nicht genug Fahrt für unseren Toppsi Rene, sodass wir noch das Voruntermarssegel setzen durften. Damit das auch gescheit geht, haben wir dann auch gleich noch eine kleine „Brassparty“ eingelegt und die Rahen am Großtopp vierkant gebrasst (also die Rahen quer zur Schiffsrichtung gestellt), damit war dann Platz um auch das Vortopp noch etwas umzubrassen, um anschließend das Untermarssegel zu setzen. Das Ergebnis waren stolze 6 Knoten Fahrt. „Wer hat’s gemacht? 4-8!!!“

Das Ziel ist, in der Wesermündung zu ankern, das heißt auch, dass dann die ganzen Segel gegen Ende der Wache wieder runter müssen … Also nach einer Weile, das Ganze rückwärts, alle Segel wieder einholen und fest zeisern (also die Segel an der Rah festbindet, damit nichts flattert). Das heißt dann bei Windstärke 7-8 aufentern (also den Mast hoch) und auf die Rah raus – da kann der Schreibende bestätigen, dass es oben im Mast dann doch ganz schön zieht und schwankt, aber eben auch cool ist so weit oben über den Wellen zu sein. „Wer hat’s gemacht? 4-8!!!“

Geschafft und glücklich gehen wir zum Wachwechsel und realisieren erst dann, dass wir erst etwas mehr als 24 Stunden auf See sind. Es fühlt sich schon viel länger an. Die neue Wache fährt das Ankermanöver. Um 22:00 h hören wir die Ankerkette rasseln und wir ankern auf der Fedderwarder Reede, in unmittelbarer Nähe des LT Hohe Weg, übrigens der älteste hier auf der Weser, erbaut 1856. Wir warten auf Wetterbesserung.

Grüße von der Alex-2, von K-O von der 4-8!