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Törn 33426 _ Irgendwo im Kattegat

Datum:                              08.09.2026

Mittagsposition:              56° 19‘ N,   011° 50‘ E

Das Wetter:                      Bedeckt, regnerisch, SW-Wind 4, 17 °

 

Liebe Alex-Fans,

Etwas müder als am Vortag erwachen wir um kurz vor sieben, rechtzeitig fürs Frühstück um 7.15 Uhr. Beim Blick aus dem Bullauge sehen wir grauen Himmel über grauer See und kein Land. Ab 8 steht dann so einiges auf dem Plan: Andy übernimmt als Toppsi und erklärt uns in überlegten, sehr gut verständlichen Worten zunächst die Funktionsweise eines Rah-Seglers und das Zusammenspiel von Schoten, Rahen und Brassen. Unsere Aufgabe in der heutigen Frühwache: eine Halse zu fahren, also das Schiff um 180 Grad zu drehen. Das gelingt durch die Neuausrichtung der Rahen, die in die entgegengesetzte Richtung als jetzt quergestellt werden müssen. Diesen Vorgang nennt man Brassen – und der verlangt einiges an Muskelkraft und Zupackkraft in Händen und Fingern. An zwei Masten (Großtopp und Vortopp) müssen alle Rahen gebrasst werden. In diesem Fall muss an Steuerbord Leine geholt und an Backbord losgelassen (also gefiert) werden. Während mein Vater wieder auf seiner Stammposition im Ausguck ist, ziehe ich mit beim anstrengenden „Hol … weg“ der Tampen an Steuerbord. Geleitet wird das ganze Manöver durch geschrieene Befehle von Andy, die von der Mannschaft wiederholt werden müssen vor ihrer Ausführung, um Missverständnissen vorzubeugen. Durchaus anspruchsvoll für Journalistenhände – und auch für den Kopf: Sehr viele Handgriffe wollen sich gemerkt werden und vor allem eine Unzahl von Begriffen. In gut 45 Minuten ist das Schiff gedreht und der Steuermann mit dem neuen Kurs zufrieden.

Dann geht es für die Wachmannschaft ans Klarschiff-Machen: Alle Leinen wollen wieder ordnungsgemäß festgemacht und aufgewickelt werden. Sonst herrscht Tampensalat im Mastgarten, also dort wo die meisten Tampen zusammenlaufen und auf den Belegnägeln festgemacht werden. Die losen Enden werden dazu im Uhrzeigersinn gewickelt und mit einer Schlaufe an den Nägeln aufgehängt. Die Stammmannschaft überprüft alle Schritte und zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis.

Als Mittagessen gibt es sehr leckere Käsespätzle und hinterher zweierlei Melone. Kapitän Joachim sagt an, dass wir heute weiter unsere Manöver (noch eine Halse und später sogar eine Wende) fahren werden und morgen Richtung Süden schippern, um dann am Freitagmorgen um 6 Uhr die NOK-Passage zu starten.

Von den Spätzle nehme ich sogar zwei Mal Nachschlag, ehe es in die Kabine zum Entspannen und Törn-Tagebuch-Schreiben geht.

Die zweite Wache des Tages beinhaltet für uns neben sehr viel Regen auch die zweite Halse. Nach einer Stunde Nassgeregnetwerden am Achterdeck gibt es den Befehl „Klar zum Manöver“ von Andy und die Halse gelingt viel schneller als die erste. In gut 14 Minuten haben wir das Schiff gedreht – ungünstigerweise kurz nachdem wir das Regengebiet hinter uns gelassen hatten, in das wir nun direkt wieder hineinfahren. Doch der Regen hat sich verändert: Er kommt nun noch unerbittlicher und verstärkt direkt von der Seite, am Heck sieht man im fahlen Lichtschein der Positionslampe Regenschwaden in hoher Geschwindigkeit über die Reling fegen. Doch die Alternative dazu ist nicht weniger unangenehm: Weckdienst! Nachdem ich beim Klarschiff zwei Tampen offenbar richtig belegt habe, und das ohne sie wirklich sehen zu können, darf ich ab 23.30 Uhr die ablösende Wache wecken gehen, möglichst behutsam in den Kammern, in denen noch andere Leute schlafen, die nicht wach werden sollen. Oft jedoch rühren sich die Falschen und ich muss mehr und lauter reden, um die gleich Gebrauchten wachzubekommen. Zur Wachablösung dreht der Regen noch mal richtig auf. Wie hat mein Vater gesagt: „Um 22 Uhr nachts im völlig Dunklen und im Regen Tampen aufdröseln, und das soll Urlaub sein? Das kann man auch keinem erzählen.“ Es ist halt eine spezielle Form von Urlaub – eine Reise, die durchaus Grenzerfahrungen ermöglicht. In jedem Fall hat ein Feierabendbier selten so gut geschmeckt wie heute kurz nach Mitternacht.

 

Herzliche Grüße von Bord

Bordberichterstatter Daniel, Kapitän Joachim und die ganze Crew