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TÖRN 157.18 – Position 23.11. – 25.11.2018

Törn 157.18, Cádiz – Las Palmas de Gran Canaria

Bordreport 2 vom 23.-25.11.2018

Mittagsposition 25.11.: 33°48,4‘N 010°21,1‘W – Wetter: leicht bewölkt, Luft 21°, Wasser 20°, Wind WSW4

Regen weg, Sonne da; Segel gesetzt, Maschine aus: so schön war es am Freitag. Einziger Haken: Der Wind kam, anders als am Vortag, zwar nicht mehr aus der falschen Richtung, aber auch nicht aus der richtigen. Genau genommen kam er nachmittags eigentlich aus gar keiner Richtung mehr. Trotzdem genossen wir das tolle Wetter und dümpelten mit immerhin rund einem Knoten über Grund gen Süden. Für die Nacht wurden zwar alle Segel geborgen und der „Unterwasserbesan“ sorgte für weiteren Vortrieb, aber Sail Training kann man, falls nötig, natürlich auch ohne Segel machen. So vergingen die Maschinen-Nachtwachen mit Knotenkunde, Tampenjagd, Segeltheorie – und Vorbereitungen für den 63. Geburtstag unseres 1. Steuermanns Joachim. Stilecht wurde er zum Wachwechsel morgens um vier mit einem Ständchen und einem 7-3-1 bedacht. Ein Steuerrad aus Tampen wurde ihm als Andenken überreicht.

Auch unser Smut Oskar, seines Zeichens eigentlich Konditor, trug mit einer riesigen Buttercremetorte seinen Teil zu den Feierlichkeiten bei. Dank seines schieren Umfangs erfreute dieses linienverachtende Naschwerk die Crew auch noch am Folgetag – musste sich da allerdings schon wieder der Konkurrenz von je einem Butter- und Kirschkuchen stellen. Schwere Entscheidung am Tortenbuffet – Pragmatiker wählten von jedem ein Stück. Ist ja schließlich Urlaub!

Übrigens muss Oskar auf dieser Reise auf seinen eigentlich vorgesehenen Kombüsenkompagnon Uwe verzichten, der aus familiären Gründen kurzfristigst absagen musste. Trotzdem zieht Oskar das volle Pensum durch, damit in Las Palmas auch ja niemand ohne das eine oder andere Extra-Kilo von Bord geht: Er lässt sich morgens um halb vier wecken, bäckt frische Brötchen und Brot fürs Frühstück, verwöhnt nebenbei die abziehende Nachtwache mit frischem, würzigem Rührei, bringt mittags Leckeres auf die Back (am heutigen Sonntag beispielsweise extrem zartes Filet mit Blumenkohl und Klößen sowie zweierlei Soßen, zum Dessert Schokopudding) und ist neben Kuchen und Abendessen dann schon wieder bei der Planung des Folgetages. Dank einer glücklichen Fügung haben wir weiteres kulinarisch geschultes Personal an Bord: Trainee Silas unterstützt Oskar in der Kombüse. Silas hat mit seinen 21 Jahren bereits eine Kochlehre erfolgreich abgeschlossen und in bekannten Etablissements wie der Bunten Kuh (ja, die auf Helgoland!) gekocht. Fun Fact am Rande: Geschätzte 3,5 Tonnen Kartoffeln gingen dort in der Saison durch seine kundigen Hände. Damit ihm nicht langweilig wird, zieht Silas neben seinem Kombüsen-Job gelegentlich auch noch mit der 0-4 zur Nachtwache auf.

Wir motorten also in den Samstag hinein, ehe am Morgen erneut Segel gesetzt wurden. Wind gab es nun wieder, allerdings ließ sich kein südlicherer Kurs als 300 Grad anlegen. Aber Südwestengland sei ja auch schön, ließ einer der Steuerleute auf Nachfrage verlauten. Doch hatte die Nautik natürlich einen Plan – und einen Wetterbericht. Letzterer versprach günstigere Windrichtungen für die zweite Tageshälfte. Und so wurden die Zahlen auf der Kompass-Anzeige kontinuierlich kleiner und die ALEXANDER von HUMBOLDT II drehte ihren Bug immer weiter gen Westen. Als Randnotiz sei angemerkt, dass der Wind zwischenzeitlich auf 7-8 Beaufort auffrischte, was für den Konsum des abends servierten Chili con Carne gewisse technische Fertigkeiten voraussetzte. Auch alltägliche Verrichtungen wie Geschirr spülen, Duschen oder Schlafen waren angesichts der beständigen Schräglage mit einem höheren Schwierigkeitsgrad versehen als gewohnt.

Am späteren Abend drehte der Wind dann so weit auf West, dass die Schiffsführung zum mitternächtlichen Wachwechsel mit ab- und aufziehender Wache eine Halse fahren ließ. Manöver geglückt, Kurs Süd! Als die 0-4-Wache sich Stunden später schon gedanklich mit Wachbier, Rührei und Koje beschäftigte, gab es auf der Back einen Knall: Der Draht der Außenklüverschot war gerissen, das Segel genoss die unerwartet gewonnene Freiheit und schlug fröhlich im Wind. Mit vielen Händen war es aber schnell geborgen und verzurrt. Am nächsten Morgen wurde wachübergreifend ein neuer Draht gespleißt, bekleedet und angebaut. Sonntagmittag gleitet die „Alex“ bei Sonnenschein und vier Beaufort unter vielen grünen Segeln durch ein traumhaft blaues Meer. Ach so, und vergangene Nacht gab es übrigens Sternschnuppen zu sehen!

Herzlich grüßen von der „Grünen Lady“

Captain Ingo und seine Crew