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TÖRN 157.18 – Position 21.11. + 23.11.2018

Törn 157.18, Cádiz – Las Palmas de Gran Canaria

Bordreport 1 vom 21.-23.11.2018

Mittagsposition 23.11.: 35°02,2‘N 008°30,9‘W – Wetter: Sonnig, Luft 18°, Wasser 19°, Wind NW2

13 Grad und Nieselregen – Herbst in Norddeutschland? Nein, in Südspanien. Cádiz empfängt die anreisenden Alex-Segler mit grauem Himmel und „Liquid Sunshine“. Aber: „Regen macht schön“, also kein Grund für schlechte Laune. Und als Kapitän Ingo seine Crew am Mittwochnachmittag auf dem Hauptdeck begrüßt, ist es schon wieder trocken. Nicht von ungefähr trägt er den Spitznamen „Sunshine Ingo“. Nach der Begrüßung finden sich die Wachen zusammen und die Stammcrew macht die Trainees mit der Sicherheit an Bord vertraut – Wo finde ich im Notfall den schnellsten Rettungsweg aus meiner Kammer, wo den nächsten Feuerlöscher? Danach klingt der erste Abend an Bord ruhig aus und viele nutzen die Nacht im Hafen, um sich nochmal eine ordentliche Mütze voll Schlaf zu genehmigen, bevor die Reise losgeht.

Am Donnerstagmorgen lockt der Wecker die noch etwas verschlafene Besatzung mit der Aussicht auf Rührei und frischen Kaffee aus den Kojen. Nach dem Frühstück gilt es zunächst, „all hands“ eine halbe LKW-Ladung Proviant von der Pier in die Lasten zu transferieren. Anschließend gibt es für die Trainees weiteren Input von der Stammbesatzung Deck in Form von Einweisungen ins Rigg, in die Manöversprache und Segelbedienung oder auch in die richtige Handhabung der Rettungswesten. Die Ehre des ersten gesetzten Segels dieser Reise gebührt der 0-4-Wache: Die Voruntermars wird während der ersten Riggbegehung ausgezeisert und anschließend noch an der Pier, also „trocken“, zu Übungszwecken gesetzt. Wobei das „trocken“ angesichts des neuerlichen Regens alles andere als wörtlich zu nehmen ist.

Unterdessen bereiten Nautik und Maschine die ALEXANDER von HUMBOLDT II für den Beginn der Reise vor, der Lotse wird für 16 Uhr bestellt. Mit einem weiteren „all hands“ werden Gangway und Leinen eingeholt und die 4-8-Wache steuert die Grüne Lady zwischen den Molenköpfen des Hafens von Cádiz hindurch auf den Atlantik hinaus. Kurs Südwest, Richtung Kanaren. Da der Wind noch nicht so richtig mitspielen will und Kapitän Ingo zudem ein herannahendes Schwerwettergebiet ausgemacht hat, geht es in der ersten Nacht zunächst unter Maschine voran. Je weiter wir uns vom europäischen Festland entfernen, desto weniger werden die Lichter der Tanker und Großcontainerschiffe, die wie Perlen an der Schnur das Gebiet zwischen der Straße von Gibraltar und der Südwestecke von Portugal befahren – eine der „Hauptverkehrsstraßen“ des globalen Warenaustauschs, die wir auf unserem Kurs sicher kreuzen. Desto weniger werden auch die dunklen Wolken, nur noch gelegentlich tauchen am Horizont „isolated rain showers“ auf.

Freitag, der 23. November begrüßt uns mit den lange erwarteten Sonnenstrahlen. Auch der Wind hat sich gedreht und die 8-12-Wache beginnt, den Himmel zu begrünen. Gegen 10:15 Uhr sind wir endlich ein Segelschiff!

Von einer fröhlichen Bark senden sonnige Grüße an alle Daheimgebliebenen

Captain Ingo und seine Crew