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TÖRN 139.18 – Position 18.09.2018

Törn:                                    139.18 Edinburgh – Grimsby – Helgoland – Bremerhaven
Datum:                                18. September 2018
Mittagsposition:              54° 11‘ N – 07° 42‘ E
Das Wetter:                      strahlend blauer Himmel, hervorragende Sicht. Wind S 4
Segelleistung:                  180 Seemeilen. Durchschnitt 4.6 Knoten

 

Sehr verehrte Leserin und sehr verehrter Leser,

Moin Helgoland, wi sünd dor! Heute Morgen um 08:42 Uhr Maschine aus, Schiff fest. Mit Erreichen der einzigen deutschen Hochseeinsel und unserem Liegeplatz Süddamm Westseite gehen uns so langsam die Reiseziele aus. Noch bleiben uns Blexen Reede und Einlaufen Bremerhaven und dann heißt es Abschied nehmen von den Mitseglern, der Crew und unserer schönen, grünen Lady, der Alex-2. Aber noch ist es nicht so weit, zwei Tage haben wir ja noch.

Zunächst kommt uns da doch ein lokales Redaktionsteam der Alex-2 in die Quere. Beinahe hätten die unsere verdeckten Aktivitäten hier an Bord aufgedeckt. In letzter Minute konnten wir jedoch das über einen Mittelsmann, oder war es eine Mittelsfrau?, verhindern. Diese Jungs haben eine bordeigene Glosse verfasst und wollen diese gerne veröffentlichen. Machen wir ja auch gerne, aber wir bleiben, bitteschön, weiterhin im Dunkeln. Hier nun ist das Werk der bordeigenen Redaktion:

An Bord der Alex-2. September a.d. 2018

Neuste Nachrichten aus der Kombüse!!

Wie unsere Redaktion erst heute erfahren hat, lastet seit Beginn dieses Törns ein

Fluch auf dem Verköstigungs-Fachpersonal der Alex II!

Wie der Oberkochlöffel, der freundliche Herr U.  einräumte, liegen die Probleme in der Produktion von Teigwaren, namentlich im Brotback-Prozess. Trotz Einbindung aller Backschaften, Backmeister und Backexperten, allesamt immerhin ausgebildet auf Backbord, konnte ein massives Rätsel der bordeigenen Lebensmittelproduktion bislang nicht geklärt werden:

“Ein heute gebackenes Brot ist morgen bereits von gestern!!“

Glaubte man anfangs noch an einen Ausrutscher des zwar bildhübschen, aber an Lebensjahren jungen Herrn L., haben aufwändige Tests, durchgeführt im modernen Hauben-Spülautomaten mit Linksbeschickung, ergeben, dass die Auffälligkeiten bleiben!

Ausweichprodukte wie Apfelstrudel, Hefesemmel, oder gar (die Not ist groß!!!), Pommes frites waren von dem Virus offenkundig nicht befallen; keines dieser Erzeugnisse erlebte den Sonnenaufgang, war ergo nicht von gestern.

Selbst der Versuch der dritten Pfannen-Fachkraft, der resoluten Frau S. scheiterte. Das Backen kleiner Brötchen verbaten sich die Herren der Schöpfung unter Verweis auf ihren vermeintlichen Führungsanspruch aufs Energischste!

Männer—- Pöh! War der einzige Kommentar der Frau S.

Liebe Leser, Sie sehen, es bleiben Fragen, aber seien Sie versichert, unser Team bleibt dran!

Ihr Lokalredakteur, Helmut V.

Gut gemacht mein lieber Helmut V. mit Deinem Team. Macht Spaß zu lesen und hat Euch auch wohl Spaß gemacht. Mehr davon!

Wir machen weiter mit unserer Reportage. Um überhaupt nach Helgoland zu kommen musste die gesamte Crew erst einmal acht Halsen sowie einige Bordübungsmaßnahmen absolvieren. So manchen wurde hier schon richtig etwas abverlangt. Zumal das Wetter in der Nordsee nichts, aber auch gar nichts mit Karibikfeeling zu tun hat. Raue See, ruppig durchaus, die Alex-2 ging entsprechend zu Kehr und manchmal hörte man die entnervte Frage, hört das denn niemals auf. Doch, tat es. Gestern Nachmittag wurde es besser, die See ruhiger und die Gesichter wechselten von Grün auf Normalton. Jedenfalls kann man Rasmus hierfür nicht die Schuld geben, wir wollten es ja so. War doch auch toll, so durch die Wellenberge zu pflügen wie unsere Alex-2 es Stunde um Stunde, Tag um Tag mit uns tat. Eigentlich Champagnersegeln. Aber hier dürften wohl die Meinungen ganz erheblich auseinandergehen. Wir vom Green Team, auch nicht so borderfahren, haben es jedenfalls genossen und werden es auch bis zum Schluss tun.

Es war schon imposant auf den elektronischen Schiffskarten nachvollziehen zu können wie die Nordsee mit Windparks und Ölförderplattformen zugepflastert ist. Dazu dann die stark frequentierten Seewasserstraßen bei den Niederlanden und dem Englischen Kanal. Da war schon hohe Steuermannskunst und nautische Kompetenz gefragt wenn Verkehrstrennungsgebiete mehrfach gekreuzt werden mussten. Die ist ja auch auf der ALEXANDER von HUMBOLDT II um Kapitän Wolfgang Sulz und seiner Mannschaft zu Genüge vorhanden. Der Wind trieb unser Schiff teilweise mit 9 bis 10 Knoten pro Stunde vor sich her um dann wieder aufzuflauen damit wir man gerade mal so 1,4 – 1,5 Seemeilen pro Stunde laufen konnten. Abwechslungsreich. Ebenso wie das Bordleben. Wir haben es inzwischen aufgegeben nach Sensationen, Klatsch und Tratsch zu fahnden. Dabei kommt hier nichts herum. Als wenn sich alle und jede gegen uns verschworen hatten um nur nicht aus dem Friede, Freude, Eierkuchen-Modus herauszukommen. Es ist für uns einfach nichts zu holen. Als wenn unsere Anonymität aufgehoben wurde und wir erkannt über Bord laufen, aber niemand sagt uns das. Alle nett und freundlich, aber für uns…….nichts!

Vielleicht, ja ganz vielleicht, tut sich ja heute Abend etwas beim Captains Dinner. Wir sind durch Zufall an die Menükarte gekommen und was wir dort lasen, war nicht nur spitze, das war superspitze. Das Küchenteam hat sich ja sowas von ins Zeug gelegt. Da geht dann so richtig die hessische Post ab.

Die MOS Aspiranten hatten auch ihre Stresszeit mit der Ablegung der Abschlusstests bei ihren Ausbildern. Leicht und Zuckerschlecken geht anders. Die Alex-2 Stammcrew hat auch einen Matrosen und einen Leichtmatrosen mehr. Glückwunsch an Maxi und Henning. Toll!

Rasmus, lieber Freund, Du kommst auch nicht zu kurz. Um 18:45 Uhr ist große Zeremonie an Deck: Besanschot An! Dabei wird Kapitän Wolfgang den ersten Schluck Dir, lieber Freund, widmen. Seemannstradition. Hast es Dir aber auch verdient. Bleib uns allzeit gewogen.

Liebe Leserin und lieber Leser,

mit diesem Bericht verabschiedet sich das Alex-2 Green Team von Ihnen. Wir hoffen, wir konnten Sie ein wenig unterhalten und Ihnen das Leben, Treiben und die Arbeit an Bord der grünen Lady aus Bremerhaven, der ALEXANDER von HUMBOLDT II näherbringen. Uns hat es viel Freude gemacht für Sie zu arbeiten und den Stories hinterher zu jagen. Na ja, das mit dem jagen ist an Bord nun nicht so einfach. Aber wir haben alles gegeben. Wenn wir auch keine Sensationen herauskitzeln konnten, im Grunde ist es gut so. Die Alex-2 Crew will traditionelle Seemannschaft vermitteln und tut dies auch mit grünem Herzblut, Hingabe und Passion. Das alles ehrenamtlich und mit großer Freude und Leidenschaft. Danke an das Team. Wir wünschen der gesamten Mannschaft, dem Schiff und Ihnen, verehrte Leserschaft, von Herzen alles Gute. Bleiben Sie gesund und……vergessen Sie die Alex-2 nicht.

Herzliche Grüße von Bord der Alex-2. Captain Wolfgang und die gesamte Crew.