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TÖRN 139.18 – Position 16.09.2018

Törn:                                    139.18 Edinburgh – Grimsby – Helgoland – Bremerhaven

Datum:                                16. September 2018

Mittagsposition:              53° 55‘ N – 05° 03‘ E

Das Wetter:                      teilweise stark bewölkt, teilweise Sonne, gute bis mäßige Sicht. Wind SSW 4
später auf Südwest 6 drehend

Segelleistung:                  231 Seemeilen. Durchschnitt 4.6 Knoten

 

Sehr verehrte Leserin und sehr verehrter Leser,

mien leven Rasmus, ick gev Di fix een ut. Der Herrscher der Meere ist uns wirklich gut gesonnen auf unserem gesamten Törn und das bleibt auch so für die Reststrecke nach Helgoland. Wir haben ständig gute Winde, mäßig bis stark bis zu sechs Windstärken. Richtig tolles Segelwetter bei mäßig bewegter bis grober See. Das ist nun wieder nicht so ganz geeignet für das Wohlbefinden einiger Mitsegler, aber unsere Bordärztin hat auch hierfür die richtigen Medikamente. Und es ist ja auch keine ansteckende Krankheit.

Nachdem Grimsby nun schon viele Meilen hinter uns liegt nähern wir uns Helgoland. Dachten wir zumindest, denn Captain Wolfgang macht Sail Training at it’s best. Wurden zum Anfang des Törns mal Stimmen laut, wir stehen hier manchmal ziemlich rum, mehren sich nun einige Stöhner, uns tut so langsam der Rücken weh vom vielen Reißen an den Leinen. Ja, Ihr Lieben, so ist das nun mal bei der traditionellen Seefahrt auf einem Großsegler. Wir sind hier nicht bei wünsch Dir was, wir sind hier bei so isses. Aber alles mündet doch wieder in der Begeisterung des gesamten Teams in diesem einmaligen Erlebnis Alex-2.

Unser Küchenteam setzt derweil alles daran sich weiterhin selbst zu übertreffen und uns rundum zu verwöhnen. Und wie das klappt! Unsere Maschinencrew Helmut, Peter und Norbert hat sich auch etwas Interessantes ausgedacht. Wir bekommen eine persönliche Führung durch die Maschinenanlagen des Schiffes. Jedes kleine Plätzchen an Bord ist ausgenutzt und vollgepackt mit großen Motoren und kompliziertester Elektronik. Wir bekamen einen Einblick in die gesamte Technik, die Wasseraufbereitung (Osmose Anlage), Schmutzwasser, Licht- und Bordelektronik, Lüftung und Abluft, Klimaanlage und Heizungssysteme und was wissen denn wir noch alles. Dass die sich da überhaupt zurechtfinden ist schon aller Ehren wert. Aber es klappt hervorragend und die haben alles im Griff.

Der Nachthimmel war auch wieder sehr eindrucksvoll und so langsam nehmen auch die verschiedenen Sternbilder für uns Konturen an. Nur das Sternbild des Equus will sich uns nicht so ganz erschließen. Da können uns auch die Meteorologen der MOS nicht wirklich auf die Sprünge helfen. Da werden wir noch nachbohren müssen.

Am Sonnabendnachmittag um 16:00 Uhr Generalalarm. Eine Brandabwehrübung steht auf dem Plan. Alle Mitsegler versammeln sich mit angelegter Schwimmweste auf dem Hauptdeck in Gruppierung ihrer Wachen. Vollzähligkeitsprüfung. Zwei Personen fehlen und im Maschinenbereich ist ein Feuer ausgetreten. Die Suchtrupps werden zusammengestellt und erkunden die Lage unter Deck. Gleich danach gehen die beiden Brandabwehrtrupps hinterher mit Atemschutz und Löschvorrichtungen. Das alles wirkt und ist sehr routiniert. Hektik kommt zu keiner Zeit auf und die Kommunikation ist stabil und immer gewährleistet. Das Bordhospital ist vorbereitet und mit unserer Bordärztin und kompetentem Personal auf den Notfall vorbereitet. Bald danach werden auch die beiden Verletzten, davon einer schwer, geborgen und mit Tragen in das Hospital gebracht und dort sofort medizinisch versorgt. Bereits um 16:28 Uhr ist die Übung erfolgreich beendet. Wie auch sonst, Sicherheit für Mensch und Schiff wird auf der ALEXANDER von HUMBOLDT II nun mal ganz großgeschrieben und wir alle bekamen bei dieser aufwendigen Übung einen guten und umfassenden Einblick hiervon. Für das Green Team eine Story die sich lohnt. Davon müsste es mehr geben.

Währenddessen zieht unsere grüne Lady weiterhin ihre Bahn, bleibt auf Kurs und segelt hart am Wind. Richtung Helgoland. Eier Grog, wir kommen. In den Abendstunden schläft der Wind ein und wir kreuzen mit niedriger Fahrt das Verkehrstrennungsgebiet vor dem Englischen Kanal in Richtung Westfriesische Inseln. Unsere Nautiker sind so umsichtig, dass wir zu keiner Zeit eine Gefährdung darstellen und zu keiner Zeit gefährdet werden. In den Morgenstunden des Sonntags frischt der Wind wieder auf und wir sind im Segelrevier zwischen den Verkehrstrennungsgebieten. Sail Training ist angesagt. Segel setzen und Segel runter. Halsen und direkte Fahrt. Alles ist drin und die Wachen sind gut ausgelastet. Langeweile sieht anders aus und die Seekrankheit dünnt die Wachen mit aus. Aber alles halb so schlimm, das wird schon wieder.

Dann mal was für die Statistiker unter Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. In einem Interview mit Toppsi René förderten wir folgende Informationen zutage: Er ist seit fünf Jahren auf dem Schiff. Hat in der Zeit auf 34 Törns insgesamt 23.312 Seemeilen gesammelt. Pro Törn also 686 Seemeilen im Schnitt. Mit 384 Bordtagen war er innerhalb der fünf Jahre mehr als ein Jahr an Bord. Glückwunsch René, stellvertretend für die vielen freiwilligen Freundinnen und Freunde der Alex-2, die ihr Herzblut, das ja bekanntlich grün ist, mit Leidenschaft und Passion für das Schiff, die Crew, die Trainees und dem Stiftungszweck widmen. Wo wären wir ohne Euch?

Wie geht es weiter? Was erwartet uns in den nächsten Tagen? Ist unser Plan mit Helgoland in Gefahr? Können wir dort in den Hafen oder müssen wir draußen bleiben? Was macht Rasmus, bleibt er unser Freund? Kommen die Seekranken schnell auf die Beine wie wir es Ihnen wünschen? Kommen wir als Green Team endlich mal zu echtem Klamauk und Tratsch? Fragen über Fragen. Können wir diese vielen Rätsel lösen und Ihnen berichten? Bleiben Sie dran, liebe Leserin und lieber Leser, wir bleiben auch dran. Wir berichten live von Bord und recherchieren unerkannt.

Herzliche Grüße von Bord der Alex-2. Captain Wolfgang und die gesamte Crew.