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TÖRN 139.18 – Position 13.09.2018

Törn:                                    139.18 Edinburgh – Grimsby – Helgoland – Bremerhaven

Datum:                                14. September 2018

Mittagsposition:              53° 32‘ N – 00° 29‘ E

Das Wetter:                      bewölkt, teilweise Sonne, gute Sicht. Wind SW 4 später auf West 4 drehend

Segelleistung:                  102 Seemeilen. Durchschnitt 4.6 Knoten

 

Sehr verehrte Leserin und sehr verehrter Leser,

wir sind jetzt auf dem Weg nach Helgoland und haben Grimsby hinter uns gelassen. Die Alex-2 macht weiterhin gute Fahrt und wir uns so langsam Gedanken warum wir eigentlich hier an Bord sind. Mit unseren Reportagen haben wir bis jetzt nur über den Bordalltag und die Bordroutine berichten können. Kein Klatsch und Tratsch, keine Sensationen, noch nicht einmal ein Sensatiönchen. Da haben es die Kollegen von der Regenbogenpresse es doch viel einfacher. Die machen aus jeder Kleinigkeit gleich eine Riesenstory. Aber hier ist für uns wirklich nichts zu wollen, immer nur Friede, Freude, Eierkuchen. Schrecklich!

Auf dem Weg nach Grimsby wurde am Vormittag eine Notfallübung durchgeführt. „Mann über Bord“ war das Thema. Ein Dummy ging über Bord und durch Auslösung des Alarms begann die Übung. Ruhig und routiniert wurden die Abläufe auf dem Schiff und im Beiboot durchgeführt. Zu jeder Zeit Kontakt durch Sprechfunk. So konnte die verunfallte Person schon schnell gefunden und geborgen werden. Die Bordärztin und das Personal hatten bereits das Bordhospital auf die schnelle Ergreifung notwendiger Maßnahmen vorbereitet.  Die verunfallte Person (Dummy) kam indes unverletzt an Bord und auch für die Meeresstabilität traten keine Schäden auf. Der Dummy kann an Bord wieder seiner Bestimmung zugeführt werden. Die ganze Übung dauerte 17 Minuten. Sicherheit wird auf der ALEXANDER von HUMBOLDT II nun mal großgeschrieben.

Am Nachmittag demonstrierte Tim Bergmann von der Feuerwehr Bremerhaven eindringlich und hochinteressant in ganz kompakter Form die Arbeit der Feuerwehr im Allgemeinen und auf Schiffen und somit der Alex-2 im Besonderen. Tim ist leitender Ausbilder und macht diesen Törn in seiner Freizeit. Umso anerkennenswerter seine Bereitschaft diese Darstellung durchzuführen. Sein großes Publikum dankte es ihm mit ungebrochenem Interesse und eifrigem Mitmachen. Auch wir vom Green Team waren beeindruckt von der Vielfältigkeit der Aufgaben der Feuerwehr und wie engagiert und professionell diese Frauen und Männer ihr Arbeit für die Allgemeinheit, die Bürgerinnen und Bürger, tun. Und dafür werden sie dann auch noch zunehmend attackiert und beschimpft. Eine unglückselige Entwicklung.

Die Abendstunden hatten es wirklich in sich. Zunächst ein spektakulärer Sonnenuntergang über der Nordsee bei wunderschönen Lichtspielen und nachts ein sternklarer Septemberhimmel. Ohne Lichtsmog und Beeinträchtigung von Land. Ein unglaubliches Gefühl. Wir wurden dann von einem wahren Astronomen auf das Sternbild des „Equus“ hingewiesen und die eigenwillige Konstruktion des Sternbildes wurde uns nähergebracht. Schon bemerkenswert, diese Formation scheint viel zu wenig bekannt zu sein.

An nächsten Morgen gegen 06:00 Uhr geschäftiges Treiben auf dem Schiff. Der Lotse kommt an Bord und navigiert uns durch die langestreckte Einfahrt vom Spurn Light Float in den Hafen von Grimsby.

 

Die ALEXANDER von HUMBOLDT II off Spurn Light Float

Dort sind wir gleich morgens fest und wurden zuvor mit Salutschüssen vom „H.M.S. Pickle“ und deren Crew begrüßt, die in Grimsby an der Pier lag. Die „Pickle“ ist ein Schoner aus der Flotte des Admiral Lord Horatio Nelson und war als leichter, schneller und wendiger Begleiter als Einsatzschiff an der Schlacht von Trafalgar beteiligt. Mit der ebenso engagierten Crew wie die der Alex-2, wurden schnell Freundschaften geschlossen und es ergab sich ein reger Besucherwechsel von Schiff zu Schiff. Die Engländer haben eine ganz andere, intensivere Einstellung und Affinität zur Seefahrt und Traditionsschiffen als die meisten von der Crew es gewohnt sind. Obwohl einige Meilen von der Stadt entfernt kamen doch viele Menschen um das open ship der Alex-2 zu einer ausgedehnten Besichtigung zu nutzen. Alle waren an Bord herzlich willkommen. In der Zwischenzeit folgte eine Delegation der ALEXANDER von HUMBOLDT II unter der Leitung des Captains Wolfgang Sulz der Einladung der Oberbürgermeisterin der Stadt Grimsby. Diese Einladung kam auf Initiative des Liaison Officer und guten Freund der DSST, Mike Landrey, zustande. Es sollen dort bei Kaffee und Tee interessante Gespräche geführt worden sein. Wir als Green Team blieben außen vor, man wollte keine Reporter dabeihaben. Denn eben nicht.

Währenddessen waren auf dem Schiff weiter Instandsetzungs-und Pflegemaßnahmen angesagt. Bootsmann Peter war hier unerbittlich. Wer nicht gebraucht wurde machte sich auf und beteiligte sich am Landgang, bevor es Peter sich noch anders überlegte.

Am Nachmittag ein weiterer Einblick in die nautische Arbeit an Bord. Bootsmann Peter zeigte unter dem Motto „Ankern leichtgemacht“ wie sich richtiges Ankern auf die Eigenschaften des Schiffes und des Meeresgrundes auswirkt. Man lernt wirklich nicht aus.

An Bord derweil geschäftiges Treiben. Ab 18:00 Uhr war eine gemeinsame Reception von Honoratioren der Stadt Grimsby unter Leitung der Frau Bürgermeisterin und der gesamten Mannschaft der Alex-2 angesagt. Nach den offiziellen Ansprachen und einem Fachvortrag über die Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt Grimsby fuhren die externen Caterer und unser tolles Kombüsenteam kulinarische Köstlichkeiten auf. Lokales Ale und Stout vermischte sich mit dem bordeigenen Beck’s (oder Frösche, wie im Alex-Jargon bezeichnet). Es war eine gelöste, freundschaftliche Feier zumal auch das Team der „Pickle“ mit ihrer ursprünglichen, deftigen Art ein sehr belebender Faktor war. Leider konnten die Green Team Reporter auch bei diesem Bordfest keinen Sensationen habhaft werden. Was ist daran eigentlich fair? Nun ja, es war ein langer intensiver Abend.

Bereits am nächsten Morgen um 06:00 Uhr das Kommando „Klar bei vorn und Achtern, wir wollen ablegen. Lotse kommt in Kürze“.

Nach der Ausfahrt aus dem Hafen und dem Verkehrsgebiet „Segel Hoch“. Klar, wir haben ja den tollen Wind den wir nutzen wollen. Rasmus, alter Freund, Du bist doch ein Guter. Hast uns während der ganzen Reise immer den richtigen Wind geschickt. Auf dem Weg in Richtung Helgoland passierten wir eine ehemalige britische Flakstellung direkt im Wasser. Da hörten wir wie der Verwalter sagte, er habe dieses Bollwerk gekauft und wolle das als Hochsee-Pub für die Offshore Besatzungen ausbauen. Auch mit Fish  and Chips. Der sollte sich mal untersuchen lassen, der tickt doch nicht richtig!

Unsere gute, treue Grüne Lady nimmt beständig Fahrt auf und so geht es mit über 7 Knoten und dem richtigen Wind in Richtung Helgoland.

Wie geht es weiter? Was erwartet und in den nächsten Tagen? Und dann auf Helgoland? Was ist dort los? Bleibt die Stimmung an Bord so gut, oder kippt da doch noch was? Was ist mit uns, können wir weiterhin unerkannt berichten? Bleibt uns Freund Rasmus noch gewogen? Fragen über Fragen. Können wir diese vielen Rätsel lösen und Ihnen berichten? Bleiben Sie dran, liebe Leserin und lieber Leser. Wir berichten live von Bord und recherchieren unerkannt.

 

Herzliche Grüße von Bord der Alex-2. Captain Wolfgang und die gesamte Crew.