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TÖRN 139.18 – Position 12.09.2018

Törn:                                    139.18 Edinburgh – Grimsby – Helgoland – Bremerhaven

Datum:                                12. September 2018

Mittagsposition:              54° 19‘ N – 0° 43‘ W

Das Wetter:                      bewölkt, teilweise Sonne, gute Sicht. Wind SSW 5 später auf West 4 drehend

Segelleistung:                  105 Seemeilen. Durchschnitt 4.7 Knoten

 

Sehr verehrte Leserin und sehr verehrter Leser,

das Green Team ist weiter für Sie an Bord unterwegs und wir spitzen die Ohren was so geredet wird und schnappen auch Tratsch auf und halten die Augen für Sie geöffnet um zu berichten wie es an Bord läuft.

Die drei Wachen hatten ganz schön zu tun und waren voll mit dem Sail Training beschäftigt. Die Stammcrew nimmt sich viel Zeit und erklärt allen in allen Einzelheiten jedes Detail damit die Arbeiten an Bord zunächst verstanden und dann korrekt durchgeführt werden können. Es ist schon erstaunlich was alles zu beachten und, vor allen Dingen, zu verstehen ist. Wir verstehen jetzt auch im Ansatz warum gesagt wird: Eher geht das Feuer in der Hölle aus, als dass es auf einem Segelschiff nichts mehr zu tun gibt. Also packen wir es an und gehen an die Arbeit. Um nicht aufzufallen in unseren Recherchen, machen wir alles mit. Es ist zwar manchmal kalt und windig, aber in unseren dicken Klamotten bringt uns die Crew ganz schön auf Trab und ins Schwitzen.

Zwischendurch machen unsere Toppsmatrosen (Toppis, aha, haben wir auch drauf) immer wieder eine Runde Theorie und erklären uns die nächsten Schritte und Arbeiten. Der Bootsmann kommt mit einer ganz anderen Variante, Rostklopfen. Das Salzwasser macht dem Schiff zu schaffen und der Flugrost ist wie eine Zecke und beißt sich überall fest. Darum muss immer wieder umfassende Pflege an Bord betrieben werden. Und nun hat es uns erwischt. Aber wir verstehen ja warum und gehen ohne Murren und Knurren ans Werk.

Heimlich versuchen wir zu ergründen was denn die Kameraden der MOS so treiben. Die tauchen wirklich in die Tiefen der Wetterkunde ein. Das Ausbilderteam nimmt sie ganz schön ran und sie müssen lange Tage und Abende absolvieren. Das ist auch kein Zuckerschlecken.

Rasmus meint es gut mit uns und schickt uns die richtigen Winde. Immer schön aus Süd-Südwest fünf. Später dreht der Wind dann auf West Stärke vier. Unserer grünen Lady kann das nur Recht sein, unverdrossen liegt sie hart am Wind und macht so Meile auf Meile. Den Captain freut es, wir sind vor dem Plan und haben somit noch mehr Zeit für das Sail Training.

Da wir gerade von der Arbeit schreiben, genug ist ja da. Eine kleine Kostprobe gefällig? Gestern um 13:00 Uhr Übung „Notruder“. Heute um 06:48 Uhr Halse über Backbord. Ist wie eine Wende des Schiffes, nur anders. Um 10:30 Uhr Notfallübung „Mann über Bord“ mit Aussetzen des Beibootes und mit allem Drumherum. Ein richtig aufwendiges Manöver das im Notfall auch richtig schnell und umsichtig von allen durchgeführt werden muss. Hat super gut geklappt. Und zwischendurch immer wieder Brassen und holen und fieren und machen und tun.

Unseren Patienten, auch den Seekranken, an Bord geht es wieder gut. Bettina Zietz und ihr Team konnten Entwarnung geben. Ein Glück, gut gemacht. Wir drücken alle die Daumen, dass das auch so weiter bleibt.

Derweil legt sich das Team in der Kombüse richtig ins Zeug. Die haben das Ziel Pfunde und Kilos bei uns aufzubauen. Toll und köstlich was die zaubern. Ein sicheres Indiz hierfür ist die richtig gute Stimmung an Bord. Alles gelöst und fröhlich. Jeder und jede schnackt mit jeder und jedem. Es wird gelacht und gesungen, gelesen und gespielt. Schlecht für die Smartphones, wir haben auf See kein Mobilnetz. Schlecht auch für unsere Arbeit. Bei dieser Stimmung kommen wir nicht so richtig an gute Stories heran. Wer will denn schon über gute Laune berichten? Ganz schlecht fürs Geschäft.

Unsere Vermutung mit der Marine war ja auch ein Flop. Hoffen wir, dass wir bei den Medizinern und Feuerwehrleuten noch was reißen können warum die so zahlreich an Bord sind. So kann es auch nicht weitergehen.

Wie geht es weiter? Sind wir am Donnerstag rechtzeitig in Grimsby? Was ist dort los? Bleibt die Stimmung an Bord so gut, oder kippt da was? Können wir weiterhin unerkannt berichten? Schickt uns Rasmus immer den richtigen Wind? Fragen über Fragen. Können wir diese vielen Rätsel lösen und Ihnen berichten? Bleiben Sie dran, liebe Leserin und lieber Leser. Wir berichten live von Bord und recherchieren unerkannt.

 

Herzliche Grüße von Bord der Alex-2. Captain Wolfgang und die gesamte Crew.