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TÖRN 139.18 – Position 11.09.2018

Tagesbericht

Törn:                                    139.18 Edinburgh – Grimsby – Helgoland – Bremerhaven

Datum:                                11. September 2018

Mittagsposition:              55° 2“ N – 0° 4“ W

Das Wetter:                      bewölkt, teilweise Sonne, Wind WSW 5

Segelleistung:                  103 Seemeilen

 

Sehr verehrte Leserin und sehr verehrter Leser,

wir, das Green Team Reporter Team sind mal wieder für Sie auf der Suche und der Jagd nach Abenteuern und Sensationen von Bord der ALEXANDER von HUMBOLDT II. Wir mischen uns ein, wir recherchieren und schreiben dann die harten Fakten auf. Unser Team ist in die Crewliste eingeschrieben als ganz normale Mitsegler ohne weitere Funktionen. Wir wollen unerkannt unsere Arbeit machen damit wir die Fakten ungeschminkt weitergeben können.

Am Sonntag, 09. September kamen wir an Bord der grünen Lady in Edinburgh an. Die Gangway mit unserem Gepäck hoch war schon die erste Herausforderung. Gleich an Bord empfing uns die Hafenwache mit einem fröhlichen Hallo und duzte uns gleich. Na, das kann ja heiter werden! Unseren erstaunten Blicken hat man wohl unsere Frage entnommen: An Bord duzt jeder jeden. Na, wenn das denn so ist, machen wir das doch mit. Freundliche Crewmitglieder nahmen uns quasi an die Hand und zeigten uns unsere Zimmer. Kammern heißt das auf dem Schiff. Aha! Unser Bett heißt auch nicht Bett, unser Bett heißt Koje. Merken wir uns! Mit diesen Fachbegriffen ging es dann immer weiter. Uns fing dann schon so langsam der Kopf an zu rauchen. Müssen wir uns das wirklich alles merken? Ja, meinte die freundliche Crew, das müssen wir, ist besser so, dann müssten wir später nicht so viel fragen. Einräumen, alles an Ort und Stelle, denn die haben hier Vier-Kojen-Kammern, da muss schon jeder Rücksicht nehmen. Aber komfortabel ist es, mit Dusche, Bad, Klimaanlage und Fußbodenheizung. Was will man mehr?

Nun erst mal Mittag machen. In der Messe, das ist der Essraum und wird auch für weitere Zwecke an Bord benutzt, Versammlungsraum, Vortragsraum, Klönraum nach der Wache, Kartoffelschälraum und so weiter.

Inzwischen sind dann auch weitere Mitsegler (Trainees sagen sie an Bord zu uns) eingetroffen. Sind alles nette und fröhliche Damen und Herren. Kommen von überall her und wir lernen schnell, Alter, Geschlecht und Herkunft spielen keine Rolle. Trainee ist Trainee und es wird gemacht was die Stammcrew sagt. Das nennen die hier Teambuilding. Aber nett und freundlich sind sie alle. Die Crew zeigt uns das Schiff und werfen wieder mit Fachbegriffen um sich, dass es in den Ohren und im Kopf nur so scheppert. Hört das denn nie auf? Aber spannend und interessant ist es, das geben wir gerne zu. Muss aber unter uns bleiben!

Wir kommen auch zu den Segeln und den Stricken. Die Stricke hießen hier aber Taue, Leinen, Gordinge und was weiß denn ich wie noch. Haben alle einen Sinn, auch wenn sie manchmal nutzlos an Deck liegen. Dann kommt jemand, und da geht es schon los, das sollen wir auch noch lernen, und packt sie wieder an Ort und Stelle. Aufschießen auf den Nagel. Das Ding wo das Tauwerk zusammenläuft nennen die Mastgarten. Die spinnen die Alex-Leute.

Mit einem Mal sehen wir blaugekleidete Herrschaften, eine Dame und acht Herren. Kommen von der Marine. Genauer gesagt von der Marine Operationsschule in Bremerhaven. Übernehmen die das Schiff? Sollen wir eine Wehrübung machen? Sollen auf dem Törn (so heißt hier eine Reise) Ausbildung in Meteorologie machen. Wetterfrösche! Das hört sich ja spannend an. Die haben das Green Team im Nacken, das können wir Euch sagen, die wissen es nur noch nicht. Ein kurzer Blick in die Crewliste verrät uns auch, hier ist was am Kochen. Jede Menge Feuerwehrleute; Mariner und medizinisches Personal. Was ist denn hier los? Eine Großübung? Wir bekommen gut zu tun, das ahnen wir bereits. Ist doch klasse, darum sind wir ja hier.

Der Nachmittag ist vollgepackt mit Informationen. Erste Zusammenkunft. Briefing. Kapitän Wolfgang Sulz persönlich macht die offizielle Begrüßung und stellt den Reiseverlauf detailliert vor. Der hat sich richtig Arbeit gemacht und hat viel vor mit uns. Dann kommen die Offiziere und die Maschinisten an die Reihe und erklären was wir alles dürfen und was wir besser nicht dürfen. Macht alles Sinn und ist auch notwendig für unsere aller Sicherheit. Na, denn man zu!

Danach Aufteilung in Wachen und Treffen mit den Toppsmatrosen, Matrosen, Leichtmatrosen und auch den Steuerleuten. Weiter hauen sie uns die Fachbegriffe um die Ohren, aber, einiges haben wir ja schon gehört und die Begriffe werden klarer. Uns schwant, bald haben wir es drauf. Nach dem Abendessen gemütliches Sitzen in der Messe. Das Kennenlernen geht schon besser und geht ganz locker vonstatten. Alkohol ist nicht an Bord – ist verboten – und Rauchen auch verpönt. Allerdings haben die eine „Raucher Lounge“ nur ohne Glaskäfig wie am Airport. Dafür dann draußen. Na ja, wer’s mag.

Am nächsten Morgen geht es gleich los. 08:00 Uhr kommt ein ganzer LKW mit Proviant. Wo wollen die das denn alles bloß lassen? Die haben einen Plan, denn nach einer knappen Stunde ist alles an Bord und wird dann fein säuberlich auf die Provianträume, wir wissen jetzt das sind die Lasten, verteilt. Dabei haben Koch Uli mit seiner Sabine und Lukas die Oberaufsicht. Dabei kommt man ihm besser nicht in die Quere. Wollen wir ja auch nicht! Interviews gibt er heute sowieso nicht. Zugleich nehmen sie Treibstoff und Frischwasser an Bord. Die wissen wirklich wo es langgeht. Alles zu gleicher Zeit und alles ohne Hektik, obwohl eine rege Betriebsamkeit herrscht. Wird bestimmt ein guter Törn. Siehste, schon wieder ein Fachbegriff gelernt!

Um 14:30 Uhr geht es dann los, unser leckeres Chili con Carne haben wir mit Genuss gegessen und sind zum Auslaufen bereit. Der Lotse ist an Bord, die Leinen sind los, Kapitän Wolfgang übernimmt das Steuer. Edinburgh wir sind dann mal weg, Grimsby, wir kommen. Um 15:40 Uhr geht der Lotse von Bord. Um 16:00 Uhr ist die Maschine aus. Wir setzen die ersten Rahsegel und nehmen Fahrt auf. Mit Hinzunahme der Stagsegel und der Marsen machen wir teilweise bis zu neun Knoten Fahrt. Ein tolles Schiff, das genau macht was es soll, ist unsere grüne Lady, die ALEXANDER von HUMBOLDT II. Die legt sich bei Süd-Südwest Wind Stärken 5 – 6 bei 10° auf die Seite und pflügt durch die Nordsee. Merkt Ihr wie wir mit den Fachbegriffen strunzen? Ganze Kerle!

Das Wetter ist nun nicht so toll, es regnet und ist kalt. Richtiges Sch….wetter. Aber die Wachen halten die Stellung und es gibt für alle genug zu tun an Bord. Und was macht die Marine? Die schälen Kartoffeln für morgen Mittag. Klasse Jungs. Leider hatten wir heute Morgen einen ernsten Krankheitsfall. Nur gut, dass wir mit Bettina Zietz eine so umsichtige und erfahrene Bordärztin auf der Alex-2 haben. Bettina hat sich ganz liebevoll und intensiv gekümmert und wurde von Anja tatkräftig unterstützt. Anja ist Krankenschwester. Es passt mal wieder alles zusammen. Purser Jürgen hat uns erklärt, der Bordarzt oder die Bordärztin sind bei der Alex-2 Standard, ohne dieses Personal fahren die nicht zu See. Obwohl sie es nach den Vorschriften nicht müssten, machen die es trotzdem. Das ist doch mal Verantwortung!

Wir haben bis heute Mittag 103 Seemeilen mit einem Schnitt von 4.9 Knoten zurückgelegt. Dabei haben wir noch nicht einmal alle Segel gesetzt. Kommt bestimmt daher, dass wir die Namen aller Segel auch noch gar nicht draufhaben. Außer der Stammcrew natürlich, die wollen es uns ja auch erklären und zeigen. Wir sind ja schließlich Trainees!

So, das waren die ersten beiden Tage an Bord. Wie geht es weiter? Kommen wir gut voran? Bleibt
das bescheidene Wetter, bescheidenes Wetter? Was hat es mit den Feuerwehrleuten und den vielen Medizinern an Bord auf sich? Was bahnt sich an? Halten wir Kurs und ist der Wind unser Freund? Was macht eigentlich Rasmus? Fragen über Fragen. Können wir diese vielen Rätsel lösen und Ihnen berichten? Bleiben Sie dran, liebe Leserin und lieber Leser. Wir berichten live von Bord und recherchieren unerkannt.

 

Herzliche Grüße von Bord der Alex-2. Captain Wolfgang und die gesamte Crew.