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TÖRN 101.18 – Position 09.01.2018

09.01.2018 Tag 7

Das letzte allgemeine Wecken im Hafen war schon etwas komisch: um 7:30 Uhr erschallt eine Stimme mit einem ziemlich süddeutschen Dialekt aus dem Lautsprecher. Ich glaube, das war bayerisch. Für einen norddeutschen Küstenbewohner, der den Dialekt nicht mit der Seefahrt verbindet, leicht irritierend. Fünf Minuten später dann erneut eine Stimme über Lautsprecher. Dieses Mal die hoch-deutsche Übersetzung. Puh, endlich verständlich!

Ein letzter Sonnenaufgang im Hafen von Las Palmas. Heute Abend soll es endlich raus aufs Wasser gehen. Bis dahin läuft die alltägliche Hafenroutine: Aufstehen, Frühstück, Arbeiten am Schiff, Müll entsorgen….

Außerdem wollen wir ins Rigg aufentern und die beigezeiserten Rahsegel auszeisern, um das Segelsetzen zu üben. Mal sehen, was unsere Mitsegler von der schon gelernten Theorie in die Praxis umsetzen können.

Ausgezeisert werden nur die Fock, die Groß und die Unter- und Obermarsen des Vor- und des Großtopps. Bei den Brams und Royals dagegen werden die Nocken zusätzlich beigezeisert.

Das Segelsetzen funktioniert super. Die Voruntermars und das Vorstengestag werden erst gesetzt und, weil es so schön war, auch gleich wieder geborgen.

Eben haben wir erfahren, dass wir ab heute Abend im Zwei-Wach-System fahren werden: eine Wache ist von 00:00 bis 06:00 und von 12:00 bis 18:00 verantwortlich, die andere Wache von 06:00 bis 12:00 und von 18:00 bis 00:00. Wir sind gespannt, wie das wird.

Auch heute Nachmittag herrscht eine gespenstische Ruhe an Bord. Ob das die Ruhe vor dem Segel-sturm ist? Dabei ist doch überhaupt kein Sturm angesagt. Wir sind froh, wenn wir ausreichend Wind zum Segeln haben werden. Um überhaupt auslaufen zu können, erwarten noch immer zwei Crew- mitglieder, die im Laufe des heutigen Nachmittags / Abends ankommen sollen.

Am späten Nachmittag verlegen wir an der Steuerbordseite die Gangway vom Poopdeck aufs Hauptdeck. Immer wieder eine komplizierte Angelegenheit.

Auch bringen wir Lotsenleiter an der Backbordseite aus. Irgendwie muss der Lotse das Schiff wieder verlassen. Vielleicht sollten wir ihn zur Abwechslung einfach über Bord werfen? – Nein, besser nicht. Die Alex 2 soll spätestens 21.01. wieder hier einlaufen dürfen.

Nach dem Abendbrot findet ein kleines Bootsmanöver statt: die Geeste, das Backbordbereitschaftsboot, wird klar gemacht und von beiden Bootstrupps abgefiert. Gefahren wird heute aber nicht mehr.

Wir warten weiterhin auf die zwei fehlenden Crewmitglieder.

Zwischen 20 Uhr und 20:30 Uhr wird die Gangway eingeholt und das Kommando „Leinen los“ ertönt. Wir verlassen endlich den Hafen und begeben uns dahin, wo sich ein Rahsegler aufzuhalten hat, endlich raus aufs freien Wasser.

Das „Raus aufs Wasser“ hat bei einigen Mitseglern aber die Folge, dass sie leicht grünlich werden. Hoffentlich erholen sie sich schnell damit sie sich wieder in die Wachen einspleißen können. Denn ab sofort fahren wir im Wachsystem – leider noch unter Maschine. Hoffentlich können wir den Himmel bald grün machen.

Soviel für heute. Und zum Wachabschluss einen Frosch.

In diesem Sinne:

Auf die Gesundheit und die See!

Es grüßen Skipper Jan und seine Crew