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TÖRN 122.17 – Position 11.09.2017

Montag, der 11.09.2017. „Wasser, Wasser überall, doch wir haben nichts zu trinken.“

Bevor wir endlich rufen konnten „Leinen los“, war direkt Teamwork gefordert, denn wir mussten den ganzen Proviant noch an Bord schaffen. Alle packten mit an und wir bildeten Menschenketten und reichten unteranderem gefühlt 100 Stangen Hackfleisch weiter. „Hand in Hand“. Alles für uns?

Gemeinsam und gestärkt vom Frühstück schafften wir das recht flott. Doch lange Faulenzen war nicht, denn gegen Mittag stand eine weitere Sicherheitsunterweisung auf dem Programm. Dazu trafen wir uns mit unserer Wache auf der Back. Das Wachen-System an Bord ist nicht wie bei Game of  Thrones und auch John Schnee war nicht dabei, dafür haben wir Felix, unseren Toppsmatrosen. Er hat das Sagen. Es gibt drei Wachen, die sich alle vier Stunden abwechseln. Tag und Nacht. 24/7.

Nachdem uns lauter neue Fachbegriffe um die Ohren gepustet sind, hatten wir endlich die Chance, das Rigg zu entern. Höhenangst? Gibt’s nicht. Hier hatten alle die Möglichkeit so hoch zu klettern, wie sie sich zutrauten und auch ich wagte den Aufstieg. Dieser wurde mit einem tollen Ausblick auf den Bremerhavener Hafen belohnt, wo wir noch vor Anker lagen. Nach der nächsten Seemannsmahlzeit ließen wir den sicheren Hafen hinter uns, beobachtet von zahlreichen Schaulustigen. Leider winkte keiner mit einem Taschentuch. Nun ja, man muss auch mal Abstriche machen können 😉

Gegen 17 Uhr erreichten wir die Schleuse und fuhren in die Freiheit – die Nordsee wartete bereits auf uns. Wir setzten die Segel und fuhren bei gutem Wetter unsere Manöver. Wir befolgten die Kommandos und besetzten Ausguck und Ruder. Wir waren Wind und Wetter ausgesetzt. Gemeinsam lenkten wir das Geschehen des Schiffes unter Kommando des Kapitäns Uli. Nach und nach zog sich der Himmel weiter zu. „Die Nacht zog auf und unsere Wacht begann.“ Der Wind blies uns mit SSW Stärke 6 immer stärker um die Ohren und die See wurde rauer. Das Schiff begann mehr und mehr zu schaukeln und wir holten die Segel ein.

Es war stock dunkel. Dann zuckten Blitze durch die Nacht und erhellten kurz den Horizont. In was für ein Szenario waren wir da bloß rein geraten? Und es kam wie es kommen musste und die befürchtete Seekrankheit erwischte die Ersten. Wir kümmerten uns umeinander und versammelten uns zum Teil am Achterdeck (im Fachjargon auch Poopdeck genannt). Mit Blick gen Horizont sollte sich der Magen etwas beruhigen. Die Wache war für mich zu Ende und ich war ziemlich fertig. Nach einer weiteren Stunde schaffte ich es schließlich, mich mehr als sachte von den Wellen in den Schlaf schaukeln zu lassen. Vielleicht fielen mir die Augen auch einfach vor Müdigkeit zu.

Es grüßen Euch Kapitän Uli und die Bordberichterstatter Josephine und Robert.